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am 12. Juli

Das Grätzl wird dich vermissen, altes Haus

Barbara Pickl - In der Webergasse 13 fiel ein intaktes Wohnhaus mit berührender Geschichte der Immobilienspekulation zum Opfer.



Über das Engagement gegen den Abriss und die historische Vergangenheit des Hauses:

Facebook Seite der Anrainer_innen

Immer mehr Gründerzeithäuser verschwinden immer schneller aus dem Wiener Stadtbild.

Aufgrund der aktuellen Gesetzeslage lässt sich dagegen kaum etwas unternehmen. Denn ein Haus-Abriss braucht keinerlei Voraussetzungen und kann einfach angemeldet und dann durchgeführt werden.

Besonders in Zeiten hoher Grundstückspreise stehen diese Bauten und damit auch ihre Bewohner_innen dadurch unter Druck. Denn das Haus zu "entmieten", abzureißen und einen um etliche Quadratmeter größeren Neubau aufzustellen, ist eine rentable Spekulationsmöglichkeit.

Im Unterschied zu den Innenbezirken genießen in der Brigittenau nur sehr wenige Gründerzeitviertel den Status der Schutzzone, der einen Abriss zumindest etwas erschwert.

Die Stadt Wien versucht, die Schutzzonen auszuweiten, doch ist das Verfahren, wie auch in diesem Fall, um einiges langwieriger, als der Abriss und kommt oft zu spät.


Häuser sind zum Wohnen da, nicht zum Spekulieren


Es gibt derzeit kaum rechtliche Mittel gegen den Abriss von Gründerzeitbauten. Der Versuch des Bezirkes, dieses Haus durch die Einrichtung einer Schutzzone zu bewahren, kam leider zu spät.

Solange es sich auszahlt, Häuser und Wohnungen jahrelang leerstehen zu lassen, um auf einen potenten Käufer zu warten, solange es sich auszahlt, funktionierende Bausubstanz wegzureißen und neu zu bauen, um sie teurer zu vermieten, solange sind die Mieter_innen in Wiens Gründerzeitvierteln unter Druck. Denn ein solches Vorgehen verknappt den Wohnraum und lässt Mieten steigen.

Was würde helfen?


Eine Leerstandsabgabe

  • Meldepflicht für Leerstand
  • Einführung einer Leerstandsabgabe bei einem    unbe gründeten Leerstand ab einem halben Jahr
  • Vormietrecht für die Stadt Wien, um in besonders    problematischen Fällen eingreifen zu können. Die Stadt Wien kann dann für einen ausgewogenen Branchenmix sorgen.
  • Umnutzung/Umwidmung von leerstehenden Büroflächen.


Eine Verschärfung des Baurechts.

  • Die Abrissbestimmungen für gründerzeitliche Bauten müssen massiv erschwert werden.
  • Die sogenannte „bautechnische Abbruchreife“, die oft    als Mittel zum Abriss zahlreicher gründerzeitlicher Objekte herhalten muss, soll aus der Bauordnung gestrichen werden oder zumindest drastisch erschwert werden. Sie verleitet dazu, Häuser verwahrlosen zu lassen.​
Warum die Baubestimmungen gedeeeehhhhnt werden


Was soll nun hier gebaut werden?

Für die Webergasse 13 wurde ein Bauplan eingereicht, der die erlaubte Bauhöhe um fast einen Meter übersteigt.

Nur ein Meter? Eine unwichtige Abweichung?

Nein, denn erst solche Überschreitungen machen einen Abriss gewinnbringend. Müssten sich die Planer_innen an die tatsächlich vorgesehene Höhe halten, dann würde sich der Abriss wirtschaftlich nicht auszahlen, da zu wenig Fläche gewonnen werden kann.

Die Baufirma hat den Grund hier zu einem besonders hohen Preis erworben, der viele andere Käufer_innen abgeschreckt hat.
Sie ist bekannt dafür, damit zu spekulieren, dass die Stadt einlenkt und die Überschreitungen der erlaubten Maße akzeptiert. Denn jeder Quadratmeter, der herausgeschunden werden kann, ist wertvoll.

Die teuren Wohnungen verlangen also auch der Nachbarschaft so einiges ab:

Die Nachbar_innen müssen die Probleme des Abrisses in Kauf nehmen, auf Licht und Luft in ihren Wohnungen verzichten.

Wenn schon die Planer_innen keine Verantwortung für die Geschichte des Ortes und für die Umgebung ihrer zukünftigen Einnahmequelle zeigen, dann dürfen zumindest die Behörden die Verantwortung nicht auf die leichte Schulter nehmen.​