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am 28. April

Leerstand in Wien

- Nichts ist so stark symbolisch mit dem Niedergang einer Gegend verbunden, wie leere Erdgeschoß-Zonen. Was man dagegen unternimmt, erzählen Hans Arsenovic und Guido Schwarz.

Wir kennen das alle: mehr oder weniger überall in der Stadt und leider auch in der Brigittenau stehen zahlreiche Erdgeschosslokale leer und jene, die genutzt werden bringen uns oft nicht die Vielfalt an Geschäften und Lokalen, die sich die Bewohner*innen wünschen würden. Gerade die Erdgeschossbereiche prägen aber unser Stadtbild, beeinflussen die Aufenthaltsqualität im Straßenraum und entscheiden häufig darüber, wie wohl wir uns in einem Grätzl fühlen.

Vermietung

Eigentümer vermieten Erdgeschosszonen häufig als Lager, bei Sanierungen von Gründerzeithäusern werden im Erdgeschoss Garagen gebaut (die nicht mehr rückgebaut werden können!) und neuen Mieter*innen oder alternativen Zwischennutzungskonzepten stehen Eigentümer*innen oft mit verschiedensten Vorbehalten gegenüber, sodass bevorzugt wird, gar nicht zu vermieten und die Betriebskosten selbst zu tragen. Oder aber es gibt einfach überzogene Mieterwartungen und Eigentümer*innen einfach warten ab, in der Hoffnung, dass irgendwann schon Mieter*innen kommen werden, die bereit sind, diesen Mietpreiserwartungen gerecht zu werden. Um Vorbehalte und Barrieren zwischen Eigentümer*innen und potentiellen Nutzer*innen abzubauen, gibt es verschiedene Initiativen wie zum Beispiel „Kreative Räume Wien“ Büro für Leerstandaktivierung, die zwischen beiden Interessensgruppe eine Vermittlerrolle einnehmen und dazu beitragen wollen, den Nutzungsgrad von Erdgeschosszonen zu erhöhen.

LEERSTAND IN DER BRIGITTENAU

In der Brigittenau sind Leerstände einerseits in ehemals hochfrequentieren Einkaufsstraßen wie der Wallensteinstraße, der Jägerstraße oder der Klosterneuburger Straße zu finden. Aber auch in kleinen Nebengassen stehen immer mehr Erdgeschosszonen leer, wobei gerade in diesen weniger frequentierten Bereichen die Neunutzung ungleich schwieriger angestoßen werden kann. Genaue Zahlen über den Leerstand gibt es leider nicht, da es keine Meldepflicht gibt.

Bleiben in einer Straße mehrere (nebeneinanderliegende) Erdgeschosszonen ungenutzt, werden diese Bereiche für die Bewohner*innen immer unattraktiver, werden noch weniger frequentiert und zunehmend dem Verfall überlassen. Zudem sinkt die Lebensqualität der Anrainer*innen und das Unsicherheitsgefühl nimmt zu.

WIN-WIN: VOM OBEREN STOCKWERK NACH UNTEN

Eine relativ einfache Lösung für die gesteigerte Nutzung von Erdgeschosslokalen wäre, wenn unterschiedliche Berufsgruppen wie Ärzt*innen, Rechtsanwält*innen, Notar*innen, Kreativschaffende, etc. ihre Büros in Erdgeschosszonen ansiedeln. So würde auch dringend benötigter Wohnraum wieder verfügbar gemacht. Auch barrierefreie Wohnungen, Grätzlhotels, FoodCoops, Werkstätten mit Sichtbetrieb, Künstler*innen und Viele mehr könnten leerstehende Räume nutzen, wenn auch die Mietpreise entsprechend erschwinglich sind. Und wenn schon Garagen geschaffen werden sollen: warum wird nicht einmal eine Fahrradgarage angedacht?

MIETMODELLE & FÖRDERUNGEN

Häufig ist es aber gerade für EPU (Ein-Personen-Unternehmen), Start-Ups und Jungunternehmer*innen sehr schwierig, leistbare Geschäftslokale zu finden. Hier könnten Staffelmieten vereinbart werden: in der Anfangsphase übernehmen Mieter*innen nur die Betriebskosten, sobald das Geschäft angelaufen ist eine geringe Miete und nach einer gewissen Etablierungsphase dann eine flexibel vereinbarte Miete. In allen Fällen sollte dies für Eigentümer*innen attraktiver sein, als Objekte jahrelang leer stehen zu lassen.

Auch mit Förderungen können Nutzungsinteressent*innen unterstützt werden, beispielsweise mit gestützten Mieten in der Anfangsphase oder durch finanzielle Unterstützung bei der Adaptierung von Geschäftslokalen für eine konkrete Nutzung.

POSITIVE BEISPIELE AUS ANDEREN LÄNDERN

In anderen Städten bzw. Ländern ist der Umgang mit Leerstand ein anderer. Als positives Beispiel werden häufig die Niederlande genannt, wo in Städten leerstehende Räume einfach besiedelt werden und auch Erdgeschossräume für Wohnungen genutzt werden. Auch London kann als Best Practice Beispiel für die Erdgeschossnutzung genannt werden. Kaum ein Lokal ist zu finden, das ungenutzt ist. In Deutschland gab es in den letzten Jahren interessante Projekte in Hamburg, Münster und Berlin.

Auch in Wien hat sich in den letzten Jahren einiges getan und es gibt zahlreiche Initiativen, Leerstand zu vermeiden und die Nutzung von Erdgeschosszonen zu erhöhen. Wir hoffen, dass auch in der Brigittenau der Leerstand durch vielfältige Nutzer*innen belebt wird. Damit aus den angesprochenen Straßen aber wieder echte Geschäftsstraßen werden, muss auch der Straßenraum entsprechend dazu passen und attraktiv sein. Dafür brauchen wir beispielsweise breitere Gehsteige, Orte die zum Verweilen einladen oder verkehrsberuhigte Zonen. Für derartige Verbesserungen werden wir uns auch weiterhin einsetzen.