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am 10. September

Pappenheimgasse

Barbara Pickl - Die Umbauarbeiten in der Pappenheimgasse gehen dem Ende zu und man kann schon erahnen, dass sich hier viel getan hat.

Der Umbau beruht urspünglich auf einem Wunsch des Brigittenauer Jugendparlaments. Hier verläuft eine der wenigen Auto-Querverbindungen durch den Bezirk und drängt sich zwischen Schule und Park, zwischen Wohnung und Nachbarschaft. Und obwohl die Pappenheimstraße eigentlich nicht besonders stark befahren ist, hatten die Jugendlichen das Gefühl, dass das kein Platz für FußgängerInnen ist. Sie wünschten sich mehr Zebrastreifen.

Die Diskussion im Bezirk war daraufhin lang, spannend und konstruktiv. Wie nimmt man einer Straße das Flair der Durchzugsstraße mit einfachen Mitteln?

 

Verkehrsflächen umverteilen

Die neuen großen „Ohrwascheln“ sind nicht nur ein Gag: Sie führen die Fußgänger_innen nun weiter nach vorne zur Kreuzung, sodass man besser gesehen wird und sind breit genug, um sich bequem aufstellen zu können, auch mit Kinderwagen etc.
Ein Stück Bequemlichkeit für Fußgänger_innen, das auch Wertschätzung ausdrückt. Sie sind nicht mehr an den Rand gedrängt, sondern bevorzugt. Einiges an Platz wurde so von der Straße zum Gehsteig umverteilt und macht den Gehsteig großzügiger, während die Straße enger und weniger wichtig wirkt. So soll es sein.

 

Zebrastreifen immer und überall?

Zebrastreifen, das sagt die Statistik, machen Straßenüberquerungen nicht automatisch sicherer. Vor allem befürchtet man das Zusammentreffen von unaufmerksamen Fußgänger_innen mit – trotz Zebrastreifen – rücksichtslosen Autofahrer_innen. Dem Zebrastreifen die alleinige Schuld dafür zu geben ist aber unfair.

Ein Zebrastreifen gewährt den Fußgänger_innen erst einmal Vorrang beim Überqueren. Regelmäßige Kontrollen und bauliche Maßnahmen helfen zu vermitteln, dass das auch ernst gemeint ist.

In der Pappenheimstraße haben sich die Kinder einen Zebrastreifen gewünscht und bekommen. Hier war man bisher eher sparsam mit Bodenmarkierungen nach dem Motto: Wo es zu gefährlich und unübersichtlich wäre, soll kein Zebrastreifen falsche Sicherheit vorspiegeln. In einer Straße durch ein Wohngebiet war das der falsche Ansatz. Lieber ist uns die jetzige Herangehensweise: Übersichtlichkeit herstellen und Zebrastreifen anbringen.

 

Der erste Eindruck zählt

Die Pappenheimgasse bot sich bisher den durchfahrenden Fahrzeugen als breit und gerade dar. Zwei Merkmale, die den Verkehr beschleunigen, den Eindruck einer Durchzugsstraße erwecken und rein psychologisch zum Durchfahren anregen. Zusätzlich war (und ist) auch die Vorrangregelung hier zum Teil verändert, statt Rechtsverkehr hat die Pappenheimgasse Vorrang.

Zumindest optisch hat sich hier einiges getan, was sich sicher auf das Fahrverhalten der PKWs auswirken wird.

 

Parken quer und längs

Hier treffen sich die Interessen derjenigen, die den Straßenverkehr verlangsamen möchten mit jenen, die das Menschenrecht auf einen PKW-Parkplatz verteidigen: Quer Parken im 90° Winkel verlangsamt den Verkehr einerseits und nützt andererseits den vorhandenen Platz optimal für den ruhenden Verkehr. Wichtig dabei immer: Im Kreuzungsbereich muss die Übersichtlichkeit vorgehen.

 

Auch ein Radständer

Auf einem der neuen Ohrwaschln wird auch ein Radständer errichtet werden. Ein Grund zur Freude, auch wenn sich FußgängerInnen und RadfahrerInnen wieder ein kleines Stück Platz teilen werden müssen. Es ist eine alte Logik, dass RadfahrerInnen eine Art FußgängerInnen mit Radl sind. Das führt dazu, dass sie oft auf eine gemeinsame Verkehrsfläche kommen.

Nicht optimal, vor allem, wenn der Radverkehr mehr werden soll, denn es geht auf Kosten der  schwächsten VerkerhsteilnehmerInnen, sind dann sogar am Gehsteig zu Konzentration gezwungen, seh- oder gehbehinderte Menschen oder kleine Kinder zusätzlichem Stress ausgesetzt.



Auch anderen Straßen in der Brigittenau würde es gut tun, die FußgängerInnen ernst zu nehmen und das auch baulich zum Ausdruck zu bringen. So könnten auch zum Beispiel in der Wallensteinstraße (Ecke Jägerstraße), in der Klosterneuburgerstraße (Ecke Leipzigerstraße) oder in der Wexstraße (Ecke Klosterneuburgerstraße) die Verhältnisse neu definiert werden.

Von einer fußgängerfreundlichen Adalbert Stifter Straße darf man wohl noch lange nur träumen ...