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am 27. November

Von Bienchen und Blümchen

Hannes Horn - Stadtökologie in der Brigittenau











Bevor ich hier auf unsere konkrete Arbeit in der Brigittenau eingehe, muss ich ein wenig ausholen: Es gibt da immer wieder  die Unterstellung, dass wir als Partei unsere Grundidee und unseren Ursprung – die Ökologie – schon lange vergessen hätten. Ich will dieses Missverständnis hier an einigen konkreten Anträgen und Visionen von uns versuchen aufzuklären. 

Es mag schon sein, dass auch andere Parteien mal eine Meinung zur Umwelt haben. Aber sind sie deshalb die eigentliche „Grüne“ Partei? 

Ich erlaube mir die Antwort vorweg zu nehmen?! Sie lautet kurz, knapp und multilingual NO, NOPE, HAYIR, OXI… NEIN.

UNSERE IDEEN FÜR STADTÖKOLOGIE

In den heurigen Umweltausschüssen wurden ausschließlich Themen diskutiert, die von uns Grünen per Antrag eingebracht wurden. Da hatte keine andere Partei auch nur eine Idee, was man da machen könnte. 

Es beginnt mit dem Anpflanzen von Obststräuchern​, Obststräuchern und geht weiter zu ökologischen und nachwachsenden Zäunen am Anton Kummerer Park. Denn es muss nicht immer eine Stahlkonstruktion sein. Und der letzte Ausschuss befasste sich mit der Steigerung der Biodiveritätsflächen im Bezirk. Auch das wurde von uns beantragt.

Das zeigt, dass wir wissen wie Stadtökologie geht! Und genau dieses Wort „Stadtökologie“ würde ich gerne ins Zentrum rücken. Wien ist eine Metropole. Wir dürfen nicht die Illusion erwecken, dass es anders wäre. Wien ist nicht das Waldviertel, Wien ist nicht Graz und auch nicht eine temporäre Erscheinung. Nein. Wien ist die am schnellsten wachsende deutschsprachige Stadt. 

Es gibt hier alles, was in einem klassischen Biosphärenpark eher suboptimal ist. Es gibt viel Asphalt, viele Autos, viel Müll … kurz: Es gibt viele Menschen. All das sind Herausforderungen denen wir uns stellen müssen. Natürlich könnten wir, würden wir es nicht besser verstehen, versuchen Wien mit dem Seewinkel vergleichen und hier hunderte Vogelschutzgebiete fordern und versprechen. Aber das wäre weder sehr sinnvoll noch sehr seriös und nicht unser Stil. Wir versprechen Ihnen keine Schafe auf der Lände (Die „Weidelände“ ist eine wunderbare Idee - aber in absehbarer Zeit auch nicht mehr als eine Idee)


UMWELTSCHUTZ IM BALLUNGSRAUM

Genau das macht uns Stadtökos aus. Wir versuchen Stadt und Ökologie so gut es geht in Einklang zu bringen. 

Die Stadtplanung darf nicht nur der Ökonomie überlassen werden, ohne die Ökologie zu berücksichtigen. Und das beginnt schon bei der Auswahl der zu verbauenden Fläche als direkten Eingriff in die Umwelt! Geht dann weiter über die Abwicklung der Baustelle, bis hin zur Verwendung ökologischer, im besten Fall nachwachsender Rohstoffe für die entstehenden Gebäude. Genau so läuft das nämlich in Wien ab. Das ist ein direkter Erfolg Grüner-Regierungsbeteiligung. 

Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Herangehensweise sowohl für die WählerInnen als auch für die Umwelt im Ballungsraum die seriöseste und ehrlichste ist. Es sind Kompromisse, die man eingehen muss. Und es gilt, die bestehende Situation zu verbessern und immer wieder an gewissen Schräubchen zu drehen und sich auch selbst zu hinterfragen.


KOMPLEXE HERAUSFORDERUNGEN

Wenn man vom Insektensterben in den letzten 30 Jahren liest, dann muss einem klar sein, dass man diesen globalen Trend in Wien nicht umkehren wird, aber man kann ein Zeichen setzen und den teils dramatischen Rückgang zumindest im Mikrokosmos aufhalten. Das war bspw. der Anlass für unseren Biodiversitätsantrag. Dazu ist zu sagen, dass die Stadt Wien in den letzten Jahren bemüht ist genau diese Flächen zu etablieren. Weg vom hübschen – aber ökologisch wertlosen – Tulpenbeet, hin zu facettenreichem, mehrmonatigem Blühangebot für Wildbienen, Hummeln und andere Insekten. Und dies verteilt über den Bezirk. Der wahre Wert dieser Flächen erschließt sich vielleicht erst bei genauerem Hinsehen.

Gleichsam muss einem aber auch klar sein, dass nur Verwaltung und ein bisserl Ausbau auch nicht reichen wird. Es braucht auch progressivere und vielleicht auch mutigere und radikalere Ansätze in der Stadtökologie. Nur auf E-Mobilität zu setzen wird auf lange Sicht zu wenig sein. Wir müssen es schaffen, dass Menschen Mobilität anders leben. Der Austausch des Antriebs ist nicht revolutionär und bleibt am selben Level ineffizient. Denn auch dieses Auto wird über 95% einen Parkplatz – und somit öffentlichen Raum – verstellen. Verkehr muss neu definiert werden. Sharing is Caringheißt es. Und das ist die Richtung in die man schneller gehen muss. Der MIV (motorisierter individual Verkehr) muss reduziert werden. Denn ich will lieber Bienen beim Bestäuben beobachten als eine Blechschüssel.

Und auch hier sehen wir die Probleme. Es gilt, sich mit diesen seriös auseinander zu setzen. Das ist unsere Aufgabe. Dafür haben Sie Grün gewählt und dafür stehen wir.