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am 7. April

Rohstoffe aus den Mauern der Stadt

- "Altmetalle Kranner" feiert heuer sein 70jähriges Bestehen im ältesten Gewerbegebiet der Brigittenau, dem ehemaligen Brettldorf.

Der Urban Mining Blog der Firma Kranner

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Von Catherina Purrucker und Elisabeth Kittl, Grüne Brigittenau.

1947 hatte Alfred Hesz nur einen kleinen - ja im Vergleich zu heute wuzigen - Lagerplatz für Metall im Brigittenauer Brettldorf auf den Gründen des Stifts Klosterneuburg. Nicht einmal 100 Quadratmeter hatte er. Die Konkurrenz war groß. Nur in der Brigittenau gab es mehr als 30 Altmetallsammler, damals noch Kleinstunternehmen, oft im Souterrain eines ZInshauses. Auf den Straßen riefen sie: “Lumpen, Fetzen, altes Eisen!”. Aus den Lumpen wurde Papier gemacht. Das Alteisen wurde eingeschmolzen und wiederverwertet. ...und das schon seit Ewigkeiten.

Das früher so genannte Brettldorf, links und rechts neben der Bahntrasse, ist das älteste Gewerbegebiet der Brigittenau. Die Ware von Alfred Hesz, Großvater des heutigen Besitzers Felix Kranner, bestand damals aus Kriegshinterlassenschaften der Alliierten, von Patronenhülsen bis Panzern. Der Handelsplatz war das Kaffeehaus. Dort bekam er die Information, wo das begehrte Gut zu finden war. Ein Büro zu haben, war undenkbarer Luxus.



In den 1970ern übernahm Peter Kranner, der Schwiegersohn, das Unternehmen. In der Zwischenzeit gab es ein Büro und ein Magazin. Sparen war die Devise des Großvaters, investieren die des Jungen. Zumindest ein Schreibtisch und ein Telefon muss her. Wozu begriff der Firmengründer nicht. Schreibtische brauchen nur Architekten und ein Schillingtelefon steht am Höchstädtplatz. Die Börsenkurse, nach denen sich auch der Ankaufspreis richtete, kamen ein Mal pro Woche per Post.

Heute erinnert kaum noch etwas an das alte Brettldorf. Es finden sich vielleicht noch zwei, drei Holzschuppen auf dem Gelände, sonst liegen Grundstücke brach, die meisten werden von Autohäusern genutzt. Dazwischen auf Nr. 26a aber ist es geschäftig, auf heute mehreren 1.000 Quadratmetern.

Pädagogik und Metall: Brigitte Kranner modernisiert das Unternehmen

1990 kam Brigitte Kranner dazu. Eigentlich pragmatisierte Lehrerin, ferne ab von jeglichem Gedanken an Mitarbeit in einem Metall sammelnden Familienbetrieb. Und doch, die Selbstständigkeit lockte und die pädagogische Ausbildung entpuppte sich als beste Basis für die Modernisierung und Neuorganisation des Unternehmens. Eine neue EDV-Anlage löste das Vierteltelefon ab. Der Wochenplan glich einem Tafelbild. Das Büro wurde ein eigenes Haus. Im Sekundentakt erscheinen die Börsenkurse heute am Bildschirm.

Brigitte Kranner wird geholt, da sich die Einbringer und der Angestellte uneins über die Zusammensetzung des Metalls sind. Nach einer Untersuchung mit einem Handröntgengerät, steht fest, es handelt sich um eine andere Metallzusammensetzung als es vorerst erschien, das beeinflusst natürlich den Preis. Lastwagen mit Containern voll mit schwerem Eisen und Kleintransporte mit allerlei Metallen kommen, wiegen, laden aus, wechseln ein paar Worte, fahren wieder, mit mehr oder weniger Geld in der Tasche. Wenn die Börsenpreise im Keller waren, kam es vor, dass für das gebrachte Metall sogar etwa bezahlt werden musste, Entsorgungskosten.

Altmetallsammlung und -wiederverwertung ist eines der ältesten Recycling Modelle der Welt. Altmetall wird als Sekundärrohstoff bezeichnet. In der Stadt befinden sich die Minen dieses Rohstoffs. Altmetallsammlung wird zum Urban Mining. Vor einigen Jahren begann Brigitte Kranner einen Blog darüber zu schreiben. Damit machte sie die universitäre Forschungen, welche seit den 1980ern von Schweden ausgehend betrieben wird, populär. 2016 gewann sie dafür den Urban Mining Award. Gratulation!

...mehr dazu und was wir über Altmetallsammlung gelernt haben in zwei Wochen.

Urban Mining: Altmetallsammlung, die älteste Recyclingbranche