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am 17. Mai

Grün an die Wände

Felix Stelzer - Fassadenbegrünung ist jedenfalls den Aufwand wert, den sie verursacht.

Grün statt Beton ist die große Überschrift zur besseren - cooleren - Entwicklung in unseren Städten. Bei den waagrechten Flächen wie Parks, Gärten etc. liegen die Möglichkeiten recht klar auf der Hand und werden mehr oder minder gut genutzt.

Es gibt aber viele Flächen, die sich eigentlich auch dafür anbieten und dabei auch alle einschlägigen Vorteile bieten: Die Gebäudewände! Dafür sprechen Verbesserungen wie Energieeinsparung, Temperaturregulierung, Luftreinigung, Steigerung von Biodiversität, Regenwasserrückhalt, Lärmreduktion, Sauerstoffbildung, Schutz von Fassaden (bei fassadengebundenen) und damit Verlängerung deren Lebensdauer.

Schön und gut fürs Mikroklima

Darüber hinaus dürfen solche Flächen auch als attraktiv und die Augen erfreuend gelten. Die Umsetzung auch dieser Maßnahme hilft beim Hintanhalten von sich vermehrenden Hitzeinseln. Fassadenbegrünungen können beispielsweise die gefühlte Temperatur um bis zu 13° senken, so eine Expertise der Wiener Umweltberatung.

In der Fassadenbegrünung stecken aber auch vielerlei Vorteile, deren ökonomische Relevanz erst sichtbar werden muss.

Beispielsweise die Gesundheitsfolgen von Hitzewellen wie Herz- und Kreislauferkrankungen, Diabetes bis hin zur psychischen Belastung.

Auch Feinstaub und Lärm sind hier beinflussbare, jedoch nicht preisrelevante Faktoren. Diese finanzielle Umsetzung muss aber ökologisch und sozial nachhaltig geplant werden. Kosten dürfen keine Gentrifizierung befeuern. Also soll die Allgemeinheit, die letztlich gesamt von dieser Umgestaltung profitiert, dies mittragen.

Daher sollte auch die Begrünung ihren Eingang in den Energieausweis der Objekte finden.

Fassaden spielen eine Rolle bei der Lebensqualität

Die Gleichung lautet also: Weniger Gesundheitskosten und mehr allgemeine Lebensqualität gegen – sozial gestaltete -Kosten.

Der 2015 von der UNO-Generalversammlung verabschiedete Aktionsplan definiert das mit dem Satz: "Städte und Siedlungen sind inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig zu gestalten" (UNO-Aktionsplan Agenda 2030 S.15) Neben allgemeinen Begriffen wie inklusiv, ökologisch etc. werden allerdings die UN 2016 in ihrer urbanen Agenda und das Pariser Klimaabkommen nicht konkreter. Dies wohl auch, weil die verschiedenen Gegenden dieser Welt da auch verschiedene Ausgestaltungen planen müssen.

Bei der Umsetzung solcher Begrünungen ist der aktuelle Zustand allerdings noch unterentwickelter als in vielen anderen ökologischen Veränderungen.

Das liegt teilweise sogar daran, dass auch die wissenschaftliche Erforschung dieses Themas noch viel zu leisten hat. Es gibt aber auch bereits viele geklärte Fragen, deren Möglichkeiten bei den Betroffenen und Beteiligten vermittelt werden darf, um so zu einer Beschleunigung im Umsetzungsprozess beizutragen

Mythen und Fakten der Fassadenbegrünung

Es geht hier um reale aber auch um viele nur vermeintliche Probleme:

So gelten als Hindernisgründe Insektenbelastungen, die Brandschutzproblematik und Erhaltungskosten.

Allerdings gibt es da von der Fachwelt bereits durch Untersuchungen auch Entwarnung. So bleiben nach wissenschaftlichen Untersuchungen die Insekten in ihrem Grünbereich. Und wo die Problematik sich bestätigt, konnten mit zusätzlichen Maßnahmen Lösungen gefunden werden.

von der Theorie zur Praxis

Es gibt zwei verschiedene FASSADENBEGRÜNUNGSTECHNIKEN:

Zu unterscheiden ist hier einerseits die BODENGEBUNDENE:

Diese benötigt genug Platz vor dem Gebäude, bedarf aber weniger Bewässungsgestaltung und damit auch weniger Pflegeaufwand.

Die individuellen Situationen des Gehsteigs, (Breite, Wasserversorgung) sind da ein bedeutender Faktor.

Die FASSADENGEBUNDENE kommt zumeist ohne Platz vor dem Gebäude aus, benötigt aber Kletterhilfen, schont damit wiederum die Fassaden, ist aber kostenaufwändiger als die bodengebundene. Und bei diesen Kletterhilfen ist die Ausgestaltung ohne Wärmebrücke durch Verankerungen im Mauerwerk bei wärmeisolierten Gebäuden und die Statik besonders zu berücksichtigen. Außerdem benötigt sie kompliziertere Wasserversorgung.

Um hier Fehler zu vermeiden, ist eine exakte Planung zur Vermeidung von Brandentwicklungen notwendig. Hier hat die MA39 bereits detaillierte Grundlagen erarbeitet. Diese berücksichtigt auch die unterschiedlichen Bauhöhen etc.

Auch bei der Wahl der Pflanzen und vielen weiteren Planungsdetails können viele Anfängerfehler vermieden werden, die den einschlägigen Fachleuten bereits detailliert bekannt sind. Da ist GRÜNSTATTGRAU (Der österreichische Verband der Bauwerksbegrünung) die kompetente Beratung.

Bei jeder Variante ist nach Errichtung mit einer regelmäßigen und dauerhaften Pflege mit klar geordneter Verantwortung rechnen.

Da die Umsetzung der zu gestaltenden Objekte noch marginal ist, sollten zuerst wirkungsvolle, weil auffällige öffentliche Gebäude ausgewählt werden. Beispielsweise sollten hier geeignete Schulgebäude interessant sein, wobei die Umsetzung aber vor allem die weitere Pflege auch eine interessante Aufgabe für die Schule (Biologieunterricht, Aktivierung und Verantwortungsbewusstsein der Schüler, etc.) wäre.

Grundsätzlich kostengünstiger und viel leichter umsetzbar ist die Berücksichtigung bei Neubauten, was sogar auch noch die Kosten standardmäßiger Fassadengestaltung ersparen kann.

Im Klimaschutzprogramm der Stadt Wien bis 2020 spielte die Fassadenbegrünung noch keine Rolle, wohl aber in der 2014 vom Gemeinderat beschlossene Smart City Rahmenstrategie

Aktuell gibt es ein Förderprogramm unter dem Titel BeRTA, das modular gestaltet und mit einer Förderung von bis zu 6.880,- € ausgestaltet ist.

Dies hat bis heute allerdings erst zehn Standorte umsetzten lassen.

Konkrete Beratungen finden durch das Wiener Kompetenzzentrum „GRÜNSTATTGRAU“ statt

Pilotprojekte aus den letzten Jahren ergaben: Hausbesitzer- und BewohnerInnen werden bei bestehenden Gebäuden nicht nur bei den Kosten sondern auch von behördlichen Auflagen und Genehmigungsverfahren abgeschreckt. Darum erfolgt die Umsetzung der BeRTA-Begrünung im Rahmen eines All-In-One-Pakets. Die Expertinnen von GRÜNSTATTGRAU begleiten von der ersten Besichtigung über die Behördenwege bis zu Umsetzung und Pflegeanleitung.

So wird da auch im Rahmen der rechtlichen Unterstützung das Einholen der nun möglichen erforderlichen einfachen (!) Mehrheit unter den Gebäudeeigentümerinnen koordiniert.

Aktuell läuft auch ein Projekt 50 GRÜNE HÄUSER im Rahmen des Programms „Stadt der Zukunft“. Das ist ein Forschungs- und Technologieprogramm des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie. Es wird im Auftrag des Ministeriums von der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft  gemeinsam mit der Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft mbH und der österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik abgewickelt.

Nützliche Adressen:
www.umweltberatung.atwww.berta-modul.at

*Die meisten Details dieses Artikels entnahm ich der Masterarbeit von Alessa Däger und Informationen der Wiener Umweltberatung. Beiden dafür herzlichen Dank.