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am 12. Juni

Die Stadt als Rohstoffquelle

Elisabeth Kittl -
Die Mutter des Recyclings seit mehr als 7000 Jahren ist die Altmetallsammlung


Genaueres über Urban Mining ist nachzulesen: 

Die Stadt als Rohstoffquelle

Altes ist nicht immer nur alt und des Wegwerfens verdammt. Nicht mehr Gebrauchtes kann aus dem richtigen Blickwinkel auch zur Rohstoffquelle werden. Wie auch Altmetall, das dementsprechend als Sekundär-Rohstoff bezeichnet wird. Die Häuser und die Infrastruktur der Stadt sind die Minen, in denen die Rohstoffe abgebaut werden. Die Minenarbeiter_innen sind diejenigen, die die Altmetalle zur Sammelstelle bringen. Sie sind die Urban Miners. Nach dem Krieg waren es die Trümmerfrauen, die urban mining in reinster Form betrieben.

Ohne die Kranners gäbe es keine Wiederverwertung. Sie sammeln, lagern und trennen das Metall und bringen es wieder in den Kreislauf des Marktes und der Verwendung. “Recycling ist ein Wirtschaftsmodell nichts anderes”, sagen sie. Dass es sich dabei um ein perfektes Recyclingmodell handelt, ist ein Nebeneffekt, ein für die Natur und das Klima Essentieller. Denn die Lagerstätten an natürlichen Rohstoffen werden immer kleiner, während der metallene Abfall ständig mehr wird.  

Altmetallsammlung,
das älteste Recycling Modell der Welt


Altmetallsammlung ist quasi der Prototyp des Recyclinggedankens. Es ist ein uraltes Gewerbe, das seit mehreren tausend Jahren betrieben wird. Ganze 80% des Stahls, der je produziert wurde, ist heute noch im Umlauf.

Ein Beispiel: Wir stehen am Sammelplatz der Kranner Altmetallsammlung. Ein LKW kommt und liefert hundert Jahre alte, aufwendig genietete, riesige Eisenträger, wohl aus einem Jahrhundertwendehaus. Denkmalpfleger_innen würde das Herz höher schlagen!

“Sortenreiner Trägerschrott”, ein wertvolles Material. Daraus kann eins zu eins dasselbe Metall gemacht werden, ohne erst mühsam verschiedene Metallzusammensetzungen zu trennen. Wir sinnieren was denn für diese “erst” 100 Jahre alten Träger verschmolzen wurde? Mittelalterliche Ritterrüstungen, Suppenkessel oder kaputte Gewehrläufe? Auch Brigitte Kranner fragt sich immer wieder, was denn die Beine ihres Bürotisches früher einmal waren?

 

Urban Mining Forschung an der Uni und Brigitte Kranners Blog

Paul H. Brunner von der Technischen Universität Wien brachte den Begriff Urban Mining nach Österreich. Die Christian Doppler Forschungsgesellschaft eröffnete auf der TU ein Labor zur Erforschung sogenannter „anthropogener“ Ressourcen - das ist unser Altmetall. Dort werden Methoden entwickelt, wie Sekundärrohstoffe ausfindig gemacht werden können und wie sie sich am besten wiederverwenden lassen. Auch die Montanuni in Leoben forscht dazu. Es ist ein junges Forschungsgebiet. Eine koordinierte Forschung dazu gibt es leider noch nicht.  

Der Blick auf altes Metall als Ressourcenquelle ist kein gängiger. Daher begann Brigitte Kranner vor einigen Jahren einen Blog darüber zu schreiben. Ihr Ziel war es, die universitäre Forschung populärer zu machen. Es gelang ihr. 2016 gewann sie dafür den Urban Mining Award. Wir gratulieren!

RohstOffkataster

In ihrem Blog formuliert sie die Vision eines Rohstoffkatasters. Er zeigt an, wie viele Rohstoffe die Stadt verbirgt und wann sie freigesetzt werden. Ein umwelttechnisch sehr spannendes Projekt.

Zur Veranschaulichung: In Wien stecken in einer 100 m² Wohnung rund 7.500 Kilo an Metallen. Das entspricht dem Gewicht von ca. 7 Personenwagen! Und auch Computer und Handys verursachen nicht nur Elektromüll, sondern sie sind auch Lagerstätten von Sekundärrohstoffen. Aus den elf Millionen Handys, die in Österreich ungebraucht in Schubladen herumliegen, ließe sich Gold im Wert von zehn Millionen Euro extrahieren…  

Daher nochmals der Schlachtruf: Nicht in den Bergen sucht nach Bodenschätzen, sondern in den Schubladen, in den Küchenkästen und Kellerabteilen!

 

Danke an Brigitte und Felix Kranner von der Altmetallsammlung Kranner!