Wir wollen das Projekt SToP – Stadtteil ohne Partnergewalt für die Brigittenau

Im April 2021 wurde eine Frau in der Brigittenau von ihrem Ex-Partner umgebracht. Wenige Tage später bedrohte ein Mann im 20. Bezirk seine Ex-Partnerin mit dem Tod und verletzte sie schwer. Die Polizei konnte noch rechtzeitig eingreifen, bevor wir einen weiteren Femizid beklagen müssten. Die Zahl der Frauenmorde steigt in den letzten Jahren kontinuierlich an. Die Opferschutzeinrichtungen warnen, dass die beengten Wohnsituationen und die hohe Arbeitslosigkeit aufgrund der Pandemie die Gewalt noch mehr befördert.

Wie viele Verletzungen, Drohungen, sexuelle Übergriffe tagtäglich passieren – ohne dass sie angezeigt werden oder die Öffentlichkeit erreichen, wissen wir nicht.

Was wir aber wissen: Betroffene von häuslicher Gewalt und Partnergewalt sind überproportional Frauen und Kinder. Oft zieht sich Gewalt schon über lange Jahre, ja Jahrzehnte hin. Nachbar*innen – und das sind wir alle – wissen oft davon oder ahnen es zumindest. Wer hat noch nie Schreie aus Nachbarwohnungen gehört, die auf einen gewalttätige Auseinandersetzung deuten?

Da setzt das Projekt SToP – Stadtteile ohne Partnergewalt an: bei den Menschen in der unmittelbaren Umgebung der Betroffenen. SToP ist ein Nachbarschaftsprojekt mit dem Ziel, Partnergewalt und häusliche Gewalt durch die Stärkung von Zivilcourage zu verhindern.

WARUM IST ZIVILCOURAGE SO WICHTIG

Oft ist es unangenehm, die Nachbar*innen anzusprechen. So nah beieinander lebend möchte man sich nicht einmischen, keine Spekulationen über das Privatleben der anderen machen, auch nicht die von Gewalt betroffene Frau bloßstellen. Letzteres ist ein komisches Argument ja. Allerdings ist es heute immer noch so, dass Frauen, die über erfahrene Gewalt reden, immer wieder damit konfrontiert werden, ob sie nicht selbst an der Gewalt schuld sind, sie provoziert haben und gefragt werden, warum sie sich nicht wehren oder die Beziehung beenden. Ja, das fragt sich die Betroffene selbst sicher auch.

Diese Fragen jedoch suchen die Schuld beim Opfer. Dort hat sie aber nichts verloren. Es gibt keine Schuld des Opfers, wenn Gewalt als Antwort in einem Streit gegeben wird oder als Machtinstrument verwendet wird. Nie kann sexuelle Gewalt provoziert werden. Es ist der Gewaltanwender, der sich verantworten muss, der eine strafbare Handlung begeht. Das scheinen wir aber immer noch nicht ganz verstanden zu haben. Wir fangen erst an, darüber nachzudenken, wenn Frauen ermordet werden.

Die Berater*innen von SToP setzen genau hier an: „Das Projekt StoP hat sich zum Ziel gesetzt, Gewaltbetroffene und soziale Netzwerke in Stadtteilen so zu stärken, dass Partnergewalt nicht mehr erduldet, verschwiegen, ignoriert oder toleriert wird.“ https://stop-partnergewalt.org/wordpress/konzept/warum-braucht-es-stop/

Sie ermutigen hinzuschauen und achtsam zu sein. Sie helfen, Anzeichen häuslicher Gewalt zu erkennen. Sie erklären, wie man als Nachbarin, als Nachbar, als Bekannte die Betroffenen behutsam ansprechen und wie Hilfe angeboten werden kann. Sie gehen von Tür zu Tür und reden mit den Leuten. Sie machen Frauen- und Männertische bei denen gemeinsam diskutiert und überlegt wird, wie gemeinsam gegen Gewalt an Frauen und Kindern vorgegangen werden kann. Sie bieten Beratung an.

Die Zivilcourage der Gemeinschaft zu stärken ist eine wichtige Maßnahme für das Zusammenleben und für den Schutz von Frauen und Kindern, um Morden, Verletzungen und Vergewaltigung in den so nahe gelegenen vier Wänden unserer Nachbar*innen zuvor zu kommen.

ANTRAG ZUR IMPLEMENTIERUNG DES PROJEKTS STOP IN DER BRIGITTENAU

Daher brachten wir in der Bezirksvertretungssitzung am 19.5.2021 den Antrag ein, ein Konzept zur Implementierung des Nachbarschaftsprojekts SToP – Stadtteil ohne Partnergewalt für die Brigittenau zu erarbeiten und dessen Finanzierung zu sichern. Er wurde mit dem Argument – wie haben schon sehr viele Initiativen – in den Sozialausschuss verwiesen. Ja, wir haben tolle Initiativen im Bezirk, wie die kürzlich vorgestellte Einrichtung Tamar. Aber wir brauchen mehr. SToP hat sich seit drei Jahren in Margareten etabliert. Der 9. Bezirk arbeitet an einer Einführung des Projekts und wir hoffen, der 20. zieht auch bald nach. Das hilft den Frauen und den Kindern gewaltfrei in unserem Bezirk zu leben.

https://stop-partnergewalt.org/wordpress/​​
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