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am 28. Oktober

Flaniermeilen in Wien

Barbara Pickl - Die Stadt gehört auch denen, die darin gehen.

An einem schönen Herbsttag vom Julius-Tandler-Platz zum Yppenplatz spazieren? Noch ruft eine solche Einladung Stirnrunzeln hervor. Doch das soll sich bald ändern. Langsam reift das große, wienweite Projekt „Flaniermeile“. An einigen Orten sind Veränderungen schon sichtbar, andere sind noch in Ausarbeitung.

SCHATTEN, PLATZ UND SICHERHEIT

Die Planer_innen betrachten die Straße dabei aus der Sicht der Fußgänger_innen. Sie greifen sanft ein und werten, wie der Name schon sagt, den Fußverkehr auf. Möglichst breite Gehsteige, Sitzgelegenheiten, Schatten durch Bäume, Sicherheit an Kreuzungen. 

Der Komfort der Menschen, die entweder zu Fuß gehen müssen (Schulkinder, Menschen mit wenig Geld und ältere, …) oder die gerne zu Fuß gehen möchten (Einkaufende, Spaziergänger_innen, Hundehalter_innen, …) rückt ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Insgesamt sind sieben Strecken in Planung, die wichtige Punkte über Bezirksgrenzen hinweg verbinden und Fußwege attraktiv, vielleicht sogar zu einem Genuss machen werden. Dabei werden auch die äußeren Bezirke mitbedacht, von Floridsdorf bis zum Reumannplatz, von Währing bin nach Schönbrunn erstrecken sich die Pläne.

WO IST DAS NÄCHSTE KLO?

Dazu kommt ein Leitsystem, das auch Besucher_innen weiterhilft. Wo ist die nächste Toilette? Wie weit ist es vom Supermarkt zur Post? Was verbirgt sich in dem Hof, an dem ich gerade vorbei gehe?

In der Alserbachstraße, dem Flanier-Abschnitt im neunten Bezirk, ist die Planung schon weit gediehen. Bezirk und Bürger_innen haben ihre Wünsche und Vorstellungen eingebracht.

wallensteinstrasse BLEIBT AUSGENOMMEN

Leider endet das Projekt an der Friedensbrücke. Die Wallensteinstraße wurde auf ausdrücklichen Wunsch der Brigittenauer Bezirksvorstehung aus dem Konzept ausgenommen. Dabei war auch die SPÖ früher einmal für eine Verschönerung der Wallensteinstraße.

Der Argwohn des Bezirks gegenüber der Stadtplanung wächst jedoch, wenn etwas „von außen“, „von oben“ oder in einem Nachbarbezirk geplant wird. 

Gemeinsam mit FPÖ, ÖVP und NEOs wurde letztes Jahr sogar eine Resolution verabschiedet, die Wallensteinstraße möge so bleiben, wie sie ist. Eine Forderung, die jede Anrainerin, jeder Anrainer nur schwer nachvollziehen kann. Aus unserer Sicht ist es eine vergebene Chance, den öffentlichen Raum in der Brigittenau aufzuwerten.

IN DEN 90ERN WAR ALLES BESSER

Die Sorge der Politiker_innen, die das Projekt verhindert haben, dreht sich dabei vor allem um das größte Kapital und Versprechen der herrschenden Politik an ihre Wähler_innen: um Parkplätze.

In Wien, wie in jeder Großstadt, herrscht ein Mangel daran, der oft und lautstark thematisiert wird. Jedenfalls deutlich lauter, als der Platzmangel der Fußgänger_innen, der Mangel an Öffis und an attraktiven Grünflächen. Manchen Straßen sieht man das auch an.

Ein preisgekröntes Beispiel aus Barcelona, dort allerdings eine vielfach breitere Straße