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am 25. November 2016

Die besonders kleine Einkommensleiter der Brigittenau

Elisabeth Kittl - Alle gleich arm - In der Brigittenau die geringsten Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern!

Monatsgehalt (brutto durchschnittlich auf 12 Monate gerechnet):

Der Equal Pay Day stellt plastisch eine statistische Größe dar: . Das ist der Tag im Jahr bis zu welchem Frauen und Männern dieselbe Summe verdienen. Ab dem Equal Pay Day bis zum Ende des Jahres bekommen Frauen kein Cent mehr für ihre Arbeit. Null, Niet, Nix! Ab diesem Tag arbeiten sie gratis! Im Job und wie immer natürlich auch im Haushalt und in der Kinder- und Altenbetreuung.

Einkommensunterschied in der Brigittenau

Der Equal Pay Day zeigt den Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern in schmerzlich realistischer Weise:

Im österreichischen Durchschnitt arbeiten Frauen ab dem 11. Oktober 2016 gratis. Also fast drei Monate lang! Gleich einem Wunder, arbeiten Frauen in der Brigittenau nur etwas mehr als ein Monat gratis im Vergleich zu den Brigittenauer Männern. Der Equal Pay Day der Brigittenau wird am 27. November 2016 begangen.

Woran liegt es nun aber, dass die Brigittenau wienweit der Bezirk mit dem geringsten Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern ist?

Schnell verwandelt sich die Freude über den geringeren Lohnunterschied in Trauer und Wut. Denn leider wird die weit später einsetzende Gratisarbeit der Brigittenauerinnen nicht damit erklärt, dass in der Brigittenau so gut bezahlte Frauen leben. Nein, der Grund liegt schlicht darin, dass Frauen wie auch Männer, die im 20. Bezirk leben, durchschnittlich schlechter bezahlt sind. Am unteren Rand der Einkommensverteilung sind die Unterschiede nicht so krass.

Aber genau in diesem schlechter bezahlten Einkommensbereich zählt jeder einzelne Euro mehr und entscheidet die Frage, ob Frau oder Mann es sich leisten kann, einen Kaffee zu trinken oder ins Kino zu gehen. Die Gutverdienenden kratzt es wenig, ob sie ein paar hundert Euro im Monat weniger oder mehr haben, ein Kaffee oder Kino – und noch viel, viel mehr – gehen sich immer aus.

Innere Stadt: Höchster Einkommensunterschied Wiens

Der Einkommensunterschied im ersten Bezirk (37,7%) ist fast vier Mal so hoch wie im 20. Bezirk (9,5%). Dort wird der Equal Pay Day schon am 16. August ausgerufen. Das untermauert was wir schon immer wissen: die fehlenden Frauen in Spitzenpositionen.

Fazit: die Kategorie der Schlechtverdienenden und der Vielarbeitenden besteht vor allem aus Frauen.

Was tun zur Verringerung des Einkommensunterschieds?

Gleichberechtigung kann mit den unterschiedlichsten Werkzeugen erreicht werden: Quoten, Vermögenssteuern, Entlastung der weiblichen Hausarbeit, genügend Kinderbetreuung, weg von geschlechtsspezifischen Berufsfeldern (mehr Kindergärtner, mehr Managerinnen) etc.

Das wichtigste aber ist, auch zu wollen, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind. Das bedeutet, traditionelle und längst obsolete Geschlechterrollen hinter uns zu lassen und zuzulassen, dass jeder Mensch jede Aufgabe übernehmen darf. Und es bedeutet ganz pragmatisch, dass Erwerbs- und Hausarbeit genauso wie Sorge- und Pflegearbeit (= Care-Arbeit) zwischen Frau und Mann gerecht aufgeteilt werden. Und vor allem, dass weder auf der einen Seite mit Stigma („Karrierefrau“), noch auf der anderen Seite mit erstaunter Ehrfurcht („der sorgende Vater“) begegnet wird.

https://www.wien.gv.at/rk/msg/2016/10/10001.html

https://wien.gruene.at/frauen/equal-pay-day-ab-heute-arbeiten-die-wienerinnen-gratis