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am 28. Februar

Plädoyer für die Sitzbank

Barbara Pickl - Hier sitzenbleiben bitte!

Der Frühling kommt, die Sonne wird uns bald nach draußen locken, uns zu Spaziergängen verführen. Zu einem kurzen Innehalten und Genießen auf der nächsten Bank. Sofern man eine findet. Die Sitzbank im öffentlichen Raum ist ein rares Gut geworden.

Einige Exemplare stehen in Parks und Friedhöfen, dort ist das zweckfreie Sitzen vorstellbar. Am Straßenrand hält sich kaum eine Bank länger. Sie scheint verpönt zu sein.

Anrainer*innen beäugen sie argwöhnisch, Bezirkspolitiker*innen wittern darin Todesfallen (es könnte ja jemand überfahren werden, wenn er/sie so unmotiviert am Straßenrand verweilt) und Schmutzherde (Zigarettenstummel und Jausensackerln finden sich rund um die verdächtigen  Pausen-Hotspots)

Ich liebe die Sitzbank. Sie ist nicht nur ein wichtiges Element einer altengerechten und barrierefreien Stadt, sie ermöglicht auch eine charmante (Wieder-)Aneignung des öffentlichen Raumes.

Nur: Wer sich im öffentlichen Raum niederlassen darf, das wird immer stärker reglementiert. Daran hat auch der Lockdown nichts geändert, obwohl uns allen dringlich klar geworden ist, wie wichtig eine Möglichkeit des Aufenthalts außerhalb der eigenen vier Wände sein kann.

Trotzdem: Bevor Hinz und Kunz, denen Alkoholkonsum, Lärmerregung und Zusammenrottung zugeschrieben werden, sich hinsetzen dürfen, bleibt man lieber selber in ständiger Bewegung. Wien ist in dieser Hinsicht spießig geworden und müsste es nicht sein.

Denn Bänke sind ein städtebauliches Element, dass Orte positiv definieren kann, das Zusammenkommen und Gespräche fördert, sogar identitätsstiftend wirkt. Sie sind ein Anknüpfungspunkt für Innehalten und Beobachtungen. Ein Treffpunkt für jung und alt.

All das sind wichtige stadtplanerische Ziele, die sich mit Bänken besser als mit jedem anderen Gestaltungselement verwirklichen lassen.

Mögen sie zahlreich und bequem sein, und häufig benützt von jedermann.

​Wo wünschen Sie sich eine Bank? Wo wurde eine Bank entfernt, die Sie gerne benutzt haben?

Schreiben Sie uns an brigittenau@gruene.at