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am 16. März

Kulturförderung in der Brigittenau …

Andreas Gruber - ... und wie man es nicht machen sollte

Dem Jubiläumsjahr und 120 Jahren Brigittenau sei Dank, stehen der Brigittenau im Jahr 2020 € 170.000 an Mittel zur Kulturförderung zur Verfügung. Eine recht passable Summe, mit der manch Gutes passiert, viel mehr Gutes allerdings getan werden könnte. Aber der Reihe nach:

Ziel eines jeden Bezirkes sollte es sein, die dezentrale Bezirkskulturförderung effektiv, effizient und nachhaltig umzusetzen. Im Vordergrund stehen dabei:

1. Die Vielfalt und Infrastruktur der Wiener Kulturlandschaft sicherzustellen

Sollte die Vielfalt der Wiener Kulturlandschaft in der Brigittenau vorhanden sein, ist sie dies bestenfalls zufällig, nicht allerdings einer intelligenten Förderungspolitik geschuldet: Es fehlt schlicht jegliches Kulturkonzept, es gibt keinerlei Vorstellung, was mit Kulturförderung bewirkt werden soll. Es gibt weder ein Bekenntnis zu thematischer Schwerpunktsetzung, keine klaren Regeln zu Förderhöhen oder zur Förderungswürdigkeit von KünstlerInnen. Gefördert wird nach dem Prinzip „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, „die haben immer schon was bekommen, also dieses Jahr auch wieder“ oder „die haben noch nie was bekommen, kennen wir nicht, wer weiß ob die gut sind“.

Die „Daumen rauf – Daumen runter“ Politik wird oft auch mit Argumenten reaktionärer BezirksvertreterInnen garniert, die Förderungen mit „zu feministisch“, „die verwenden ja englisch und nicht deutsch auf der Homepage“ usw. usw. abzulehnen versuchen.

Dass unter solchen Voraussetzungen die Vielfalt einer Kulturlandschaft ganz und gar nicht sichergestellt werden kann, liegt auf der Hand, geschweige denn kann sich ein Bezirk als attraktiv für neue Kulturschaffende präsentieren.

Wir Grüne werden in der kommenden Legislaturperiode ein kulturpolitisches Leitbild vorschlagen, das KünstlerInnen in den Bezirk zieht, das den Bezirk bunter macht und das den KonsumentInnen ein vielfältiges und innovatives Angebot beschert, das diese Attribute auch verdient.

2. Die zur Verfügung stehenden Fördermittel fair und transparent zu verteilen

Ein Kuriosum in der Brigittenau ist, dass der Großteil der Kulturfördermittel nicht über die von den gewählten MandatarInnen beschickte Kulturkommission (geschweige denn auf Empfehlung externer KuratorInnen oder JurorInnen) ausgeschüttet wird, sondern über einen bezirkseigenen Verein, dem „Kulturforum Brigittenau“.

Förderzusagen werden an Sprechtagen erteilt, die weder von der Obfrau noch dem Obfraustellvertreter abgehalten werden, sondern von der Vorsitzenden der Kulturkommission – Demut und auf ewig zugesagte Dankbarkeit der BittstellerInnen vorausgesetzt.

Dass mit dieser Variante schneller und unbürokratischer Geld an KünstlerInnen ausbezahlt werden kann, mag sein, ob es dabei immer fair zugeht, darf bezweifelt werden, transparent und nachvollziehbar ist diese Vorgehensweise ganz und gar nicht.

Ein weiteres Kuriosum besteht darin, dass der Bezirk eine gar nicht so kleine Summe (€ 5.000 im Jahr 2020) an Vereine ausbezahlt, die von den im Bezirksparlament vetretenen Parteien namhaft gemacht werden und selbständig kulturelle Angebote unterstützen können. Ein stimmiges Konzept ist natürlich nicht notwendig, dafür gibt es eine erleichterte Prüfung. Ob Museumsbesuch, Liederabend, Tanzkurs oder Sonnwendfeier. Hauptsache Rechnung und irgendein Bezirksbezug. Warum diese Gelder über einen Verein und nicht direkt an die KünstlerInnen gehen müssen, entschließt sich jeder Logik.

Zugegeben, auch die Grünen haben diesem Antrag in den letzten Jahren immer – wenngleich immer unter Protest – zugestimmt, und  wenigstens ein bisschen dafür sorgen können, dass progressive Kunst und Kultur unabhängig von irgendeiner Parteinähe unterstützt wird.

Wir Grüne sagen, es muss Schluss sein, mit dieser intransparenten, nicht nachvollziehbaren Förderpolitik. Wir fordern die verstärkte Einbeziehung von Fachleuten oder zumindest die Einrichtung eines Gremiums, das für ein Mindestmaß an Öffentlichkeit und Objektivierbarkeit bei Förderentscheidungen sorgt.

3. Förderungen zuverlässig und verantwortungsvoll abzuwickeln

Die Abwicklung der Förderungen eines Kulturjahres ist eine Menge Arbeit. Und sie funktioniert im Großen und Ganzen tadellos. Die Vorsitzenden der Kulturkommission überzeugen mit Erfahrung und Engagement.

Vom Vorwurf mangelnder kulturpolitischer Visionen und gönnerhafter und paternalistischer Fördermittelgewährung spricht sie diese gute „technische“ Arbeit aber nicht frei.