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am 29. März

Die Grünen und das Heumarkt-Projekt

- 31 Fragen rund um das Hochhausprojekt Heumarkt: Wie es dazu gekommen ist und was die Vor- und Nachteile des aktuellen Konzeptes sind.

Warum gibt es dieses Projekt überhaupt?

Seit vielen Jahren ist klar, dass der Wiener Eislaufverein eine Rundumerneuerung benötigt. Garderoben, Trainingshallen und die technischen Anlagen sind veraltet und in einem teils sehr schlechten Zustand. Außerdem ist auch das Hotel Intercontinental mittlerweile in die Jahre gekommen. Der derzeitige Zustand ist höchst verbesserungswürdig, der Eislaufplatz ist nicht einsehbar durch Betonbarrieren und Zäune, der Platz im Sommer nicht öffentlich zugänglich. Aus diesen Gründen hat die Stadt 2012 die Initiative ergriffen und den Prozess der Neugestaltung in Gang gebracht.

Was bedeutet das Projekt für den Wiener Eislaufverein?

Die Planungen am Heumarkt hatten von Anfang an ein klares Ziel: Langfristiger Erhalt des Wiener Eislaufvereins, existentielle Absicherung und eine neue Zukunft mit modernisierten Anlagen. Dazu gab es einen umfassenden Katalog, der an die Planungsteams ausgegeben wurde und zu berücksichtigen war.

Herausgekommen ist dabei:

  • die Erhaltung des Wiener Eislaufvereins mit 6.000 m² Eisfläche.
  • umfassende Erneuerung und Erweiterung der Infrastruktur.
  • zusätzlich eine 1.000 m2 große Ganzjahres-Eishalle.
  • Mieteinnahmen für den Verein aus Eishalle & Eisfläche in der Sommerzeit, die ihn existentiell absichern
  • ​All das wird vertraglich auf die nächsten 99 Jahre gesichert.

Welche Perspektiven hat der Wiener Eislaufverein, wenn dieses Projekt nicht kommt?

Zur Erinnerung: Das Areal des Wiener Eislaufvereins wurde unter fragwürdigen Bedingungen gegen den Willen der Stadt Wien vom Innenministerium privatisiert. Etwas, was seit der Zeit von Kaiser Franz-Joseph I. öffentliches Eigentum war, wurde ohne Not verscherbelt.

Unter den derzeitigen rechtlichen und ökonomischen Bedingungen würde selbst der bestehende Pachtvertrag des WEV mittelfristig nicht davor schützen, dass das Areal unter der Hand weiter und weiterverkauft wird und so tatsächlich zum Spekulationsobjekt wird – mit allen Konsequenzen für den Eislaufverein und für die Stadt Wien. Denn, es gibt keine Garantie unter den gegenwärtigen Bedingungen, dass ein feindlich gesonnener Eigentümer nicht alle Register zieht, um den Eislaufverein loszuwerden. Bereits in den letzten Jahren hat das Areal mehrfach den Besitzer gewechselt.

Kurz: Wer als Stadt hier nicht handelt, handelt fahrlässig. Und Handeln bedeutet Fakten zu schaffen, um auf Jahrzehnte Rechtssicherheit herzustellen und den Bestand des WEV auf diesem Areal tatsächlich vollkommen außer Streit zu stellen.

Was passiert auf dem Areal, wenn das Projekt nicht kommt?

Es besteht die reale Gefahr, dass das Areal verkommt und zum Spekulationsobjekt wird. Das Hotel entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen als Hotel und ist auch kein Ort für den modernen Konferenzstandort Wien. Die Gefahr für den Eislaufverein ist sogar noch höher. Unter den derzeitigen rechtlichen und ökonomischen Bedingungen würde selbst der bestehende Pachtvertrag des WEV mittelfristig nicht davor schützen, dass das Areal unter der Hand immer wieder weiterverkauft wird und so tatsächlich zum Spekulationsobjekt wird – mit allen Konsequenzen für den Eislaufverein und für die Stadt Wien. Denn, es gibt keine Garantie unter den gegenwärtigen Umständen, dass ein feindlich gesonnener Eigentümer nicht alle Register zieht, um den Eislaufverein loszuwerden. Bereits in den letzten Jahren hat das Areal mehrfach den Besitzer gewechselt.

Zahlt der WEV für die Nutzung der Halle?

Nein. Die WertInvest übernimmt (vertraglich vereinbart) die gesamten Investitionskosten und zahlt dem Eislaufverein pro Jahr eine namhafte Summe auf 99 Jahre, damit der Platz außerhalb der Eislaufsaison der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden kann. Die Mieteinnahmen der Halle durch Dritte gehen zur Gänze an den Eislaufverein.

Wird die Fläche des Eislaufvereins künftig kleiner sein?

Ja und nein. Die an der Oberfläche zur Verfügung stehende Fläche wird von den bestehenden ca. 6.000 m² um ca. 200 m² auf 5.750 m² verkleinert. (Auf Wunsch des WEV etwas weniger, damit mehr Platz an der Bande zur Verfügung steht) Unterirdisch wird insgesamt doppelt so viel Eisfläche zur Verfügung stehen wie jetzt: Ca. 1.000 m². Der Eislaufverein ist mit dieser Vereinbarung einverstanden und unterstützt sie.

Wie lief die Grundstückstransaktion ab?

Mitte 2007 hat der Wiener Stadterweiterungsfonds den Verkauf der Liegenschaft Lothringerstraße 22 in 1030 Wien ausgeschrieben. Die WertInvest AG hat damals an diesem mehrstufigen Angebotsverfahren teilgenommen, war allerdings nicht Bestbieter und hatte daher auch nicht den Zuschlag bekommen. Die Wohnbaugesellschaft Buntes-Wohnen kam als Bestbieter zum Zug. Buntes Wohnen lagerte das Grundstück in die eigens gegründete „Lothringerstraße 22 Projektentwicklungs

GmbH“ aus. TECTO erwarb in weiterer Folge 45% Anteile an dieser Gesellschaft. Michael Tojners WertInvest übernahm im Zuge der Auflösung von Buntes Wohnen deren 55% Anteile und später den 45%-Anteil von TECTO.

Warum vergibt man eine Widmung für ein Areal, das unter fragwürdigen Umständen verkauft wurde?

Der bestehende Eigentümer hat nach den uns verfügbaren Informationen keinen Rechtsbruch im Zusammenhang mit dem Erwerb begangen. Ihm kann der fragwürdige Verkauf der Liegenschaft an die Ursprungseigentümer nicht zur Last gelegt werden. Des Weiteren besteht mit dem jetzigen Eigentümer die Möglichkeit, einer umfassenden und nachhaltigen Absicherung des Wiener Eislaufvereins und Attraktivierung des Areals.

Wird dem Investor eine „goldene Nase“ gewidmet? Wie sieht die Kalkulation des Investors aus?

Investitionen für das Gesamtprojekt 211 Millionen Euro, davon 27 Millionen für den Eislaufverein. Die Kalkulationen des Investors, die in das Vermittlungsverfahren im Jahr 2016 einflossen und bereits mehrfach nachgeprüft wurden, zeigen ein ausgewogenes, knappes Verhältnis zwischen tatsächlichem Investitionsaufwand und angenommenem Gewinn. Somit ist der Vorwurf der Spekulation bzw. der unverhältnismäßigen Widmungsgewinne nachweislich nicht tragbar.

Wozu braucht es so viel Baufläche?

Bereits die bestehende Widmung lässt großzügige Bebauung zu. Um die umfassenden Investitionen in den Eislaufverein zu finanzieren, bedarf es einer Gegenfinanzierung durch zusätzliche Flächen am Areal.

Wie kommt es zum Turm? Hätte man nicht anders bauen können?

Zu Beginn wurden in einem kooperativen Planungsverfahren zahlreiche Ansätze zum Gesamtareal gewälzt. Die über 50 ExpertInnen aus Architektur und Stadtplanung mussten eine Vielzahl von öffentlichen Interessen zum Areal beachten. Neben Angeboten für die Freizeitgestaltung, sollten auch Sportmöglichkeiten geschaffen werden, was dringend zusätzlich nutzbare Flächen erforderlich machte. Um den dabei neu entstehenden Platz nutzungsgerecht, möglichst groß, offen und für die breite Mehrheit attraktiv zu gestalten, empfahlen die ExpertInnen unter anderem auch eine mögliche Bebauung in die Höhe, um mehr Freiraum zuzulassen, aber die Wirtschaftlichkeit des Gesamtprojekts gleichzeitig zu gewährleisten.

Wie kam es zur Juryentscheidung? War die Jury über die no-centimeter-more-Vorgabe der UNESCO instruiert? Warum hat man die Warnungen der UNESCO ignoriert?

Im kooperativen Planungsverfahren war auch ein Vertreter von ICOMOS, der Beratungs-NGO für die UNESCO, involviert. Die Vorgaben und Wünsche der UNESCO flossen dezidiert in den Architekturwettbewerb ein und wurden von der Jury intensiv diskutiert, wie aus den Protokollen hervorgeht. Dennoch hat die Jury diesem Projekt ausführlich begründet den Vorzug gegeben.

Ist ein Hochhaus an dieser Stelle mit dem Stadtbild verträglich?

An dieser Stelle steht mit dem Intercont (43,93 m) bereits ein Hochhaus. Es wird auch keine bestehende Bausubstanz geopfert sondern ein vorhandener Standort umgebaut.

Wie ist sichergestellt, dass der Investor alle Vereinbarungen einhält?

Die Vereinbarungen, auf die sich Eislaufverein, Investor und Stadt geeinigt haben werden in einem rechtsverbindlichen städtebaulichen Vertrag festgehalten. Zudem gibt es einen eigenen Vertrag zwischen Investor und Eislaufverein.

Stimmt es, dass hier Luxuswohnungen entstehen?

Unter anderem entstehen Wohnungen, ja. Im Detail sieht die Nutzung der Flächen so aus:

Warum machen die Grünen hier mit?

Zentral für die Grünen war die Erhaltung der Traditionseinrichtung Eislaufverein – am bestehenden Areal. Zudem ist es seit jeher ein Anliegen der Grünen der Bevölkerung konsumzwangfreie Plätze zur Verfügung zu stellen, die ein attraktives und funktionales Erscheinungsbild an den Tag legen und zum Verweilen einladen. Der Mehrwert, den die die Öffentlichkeit aus diesem Projekt hat, ist enorm.

Stimmt es, dass dieses Projekt weiteren Hochhausprojekten und Spekulation im ersten Bezirk Tür und Tor öffnet?

Nein.

Entgegen kolportierten Meinungen schränken Hochhauskonzept und Masterplan Glacis Hochhausentwicklungen innerhalb des Rings, am Ring sowie entlang der 2er-Linie so stark ein, dass eine "Kettenreaktion" auszuschließen ist. Der Masterplan Glacis weist über die bestehenden Hochhausstandorte hinaus keinen Hochhausstandort am Glacis aus. Dennoch bereiten wir einen klaren Beschluss des Gemeinderates vor, die Innenstadt als Ausschlusszone für Hochhäuser zu verankern – um Missverständnisse auszuschließen.

Stimmt es, dass das Weltkulturerbe aberkannt werden kann?

Die neuen, überarbeiteten Pläne (mit Höhenreduktion) wurden dem UNESCO Welterbebüro in Paris übermittelt. Die derzeitige Beschlusslage des UNESCO-Welterbekommittees bezieht sich auf das ursprüngliche Projekt, die überarbeitete Version wurde noch nicht beurteilt. Es besteht die Möglichkeit, dass Wien auf die rote Liste bedrohter Welterbestätten gesetzt wird, aber diesen Beschluss müsste das UNESCO-Welterbekommittee in seiner Sitzung im Juli fassen. Das ist noch keine zwingende Aberkennung. An anderen Stätten, etwa in der Stadt Köln wurden verbessernde Maßnahmen für die Gesamtstadt akzeptiert und Köln wurde wieder von der roten Liste genommen.

Warum respektiert man internationale Verträge und die UNESCO nicht?

Die Welterbezone umfasst rund 1.600 Gebäude. Ein einziges davon wird modernisiert und um sechs Stockwerke erhöht. Insofern kann keineswegs von einem Nichtrespektieren durch Wien gesprochen werden. Wie am Beispiel Köln oder auch Liverpool ersichtlich kann es zu Auffassungs- und Einschätzungsunterschieden zwischen Städten und dem Welterbekomitee kommen. Diese versucht Wien auf dem Wege des Dialogs so weit als möglich zu bereinigen. Am Ende hat aber der Wiener Gemeinderat als demokratisch legitimierte Letztinstanz auch das letzte Wort.

Was tun wir, um das kulturelle Erbe der Stadt zu schützen?

Die gesamte Innere Stadt ist Schutzzone und es kann und darf dort nicht höher als Bauklasse V gebaut werden. Zahllose Gebäude in der Inneren Stadt stehen unter Denkmalschutz. Wir haben während unserer Amtszeit die Bauordnung bereits einmal in diesem Bereich verschärft, wir arbeiten gerade an einer weiteren Verschärfung. So wollen wir etwa die technische Abbruchreife in der Bauordnung gänzlich abschaffen, damit es sich nicht auszahlt, Häuser verkommen zu lassen, nur um sie dann abreißen zu können. Darüber hinaus werden wir die Innere Stadt auch unmissverständlich zur Ausschlusszone für Hochhäuser erklären.

Wie verstehen wir die Bewahrung von historisch wertvollen Stadtteilen vor Spekulation?

Spekulation zeichnet sich leider zum größten Teil dadurch aus, dass Immobilien unter teils fragwürdigen Umständen „bestandsfrei“ gemacht werden oder den Besitzer wechseln und nach einer Aufwertung durch Neubau oder Sanierung um ein vielfaches weiterverkauft werden. Es gibt dabei nur einen Gewinner: Den Eigentümer.

Zur Bewahrung historisch wertvoller Stadtteile gibt es mehrere Möglichkeiten. Die beste und wichtigste Option für die Politik ist eine vernünftige Reform des Mietrechts, die Spekulation schlicht

unrentabel macht. Zudem kann die Stadt Abrissbestimmungen verschärfen und Schutzzonen weiter ausdehnen. Auch der Schutz von Einzelgebäuden außerhalb von dezidierten Schutzzonen wäre möglich und ist in Diskussion.

Was ist der Mehrwert für die Bevölkerung?

Mit der Neugestaltung des Areals Hotel Intercontinental / Wiener Eislaufverein / Wiener Konzerthaus entsteht ein städtebauliches Ensemble mit einem umfangreichen Zusammenspiel unterschiedlicher Nutzungen. Die Gestaltung wird den vielfältigen Anforderungen an Funktionen und Ambiente an diesem für Wien so speziellen Standort gerecht.

  •  Eislaufplatz/Eishalle
  •  Wiener Konzerthaus
  •  Turnsaal für umliegende Schulen
  •  frei zugänglicher Platz während des Sommers
  •  Kongresszentrum
  •  weiters sind in Planung: Musikzentrum, Pop-up-Shops, Start-ups, Markthalle

Das Wiener Konzerthaus wird durch den Abbruch der Bebauung aus den 1960er Jahren an der Lothringerstraße und am Heumarkt zukünftig in voller Schönheit deutlich sichtbar sein. Zudem erhält es auch neue Möglichkeiten: So wird z.B. aktuell die Möglichkeit geprüft, Freiluftkonzerte auf dem neuen Platz abzuhalten. Ein großzügiges Vorfeld für das Konzerthaus entsteht. Ebenfalls kann das Konzerthaus im Sommer Bereiche des öffentlichen Raums mitnutzen.

Das Projekt umfasst aktuell auch die Planung von zwei Sälen mit einer Kapazität von je 700 bzw. 1.000 BesucherInnen. Damit kann das geplante Kongresszentrum auch für mittlere bis große Kongress-Veranstaltungen genutzt werden, was für den Tourismus und insbesondere für den Kongresstourismus ein entscheidender Mehrwert ist.

Stimmt es, dass Stadtplanung nur reaktiv stattfindet?

Unsinn. Die Stadtplanung findet kooperativ statt, denn das haben wir von Beginn an als neuen Zugang der Grünen zur Stadtplanung eingebracht. Es gibt für zahlreiche Projekte in der Stadt kooperative Planungsverfahren, in denen Stadt, ArchitektInnen, Eigentümer und StadtplanerInnen gemeinsam Lösungen erarbeiteten. Daraus sind großartige Projekte entstanden wie etwa die Erweiterung des Nordbahnhof-Geländes, aktuell der Franz-Josephs-Bahnhof, und andere mehr.

Was war die Rolle der Stadt in diesem Verfahren?

Die Rolle der Stadt war eine sehr aktive. Die ursprüngliche Initiative kam 2012 von der Stadt. Die Planungsvorgaben wurden von der Stadt formuliert. Zudem hat die Stadt die Prozesse zu einem großen Teil organisiert und koordiniert. In sämtlichen Verfahren war die Stadt beteiligt und hat auf die Interessen der Allgemeinheit gepocht.

Was ist das Stadtplanungsverständnis des Ressorts?

Wir haben enorm viel verändert in der Stadtplanung – zum Besseren! Und das unter einem Wohndruck wie nie zuvor (10.000 Wohnen jährlich, die gewidmet werden). Wien bleibt attraktiv in seinen gründerzeitlichen Zentren und Peripherien und neue Stadtplanungen haben viel an Qualität gewonnen. Die neuen Planungen orientieren sich an großzügigen, öffentlich zugänglichen Grün- und Freiräumen, kurzen Wegen, neuen Verkehrskonzepte und sind zumeist kooperative Planungen – dh von Architekten, BürgerInnen, BauträgerInnen und Stadt gemeinsam getragen.

Was hat sich alles verändert seit die Grünen das Ressort übernommen haben?

  • Verschärfung der Bauordnung
  • kooperative Planungsverfahren
  • Einführung städtebaulicher Verträge, um BauträgerInnen an den Kosten für die Allgemeinheit zu beteiligen (was bis dahin nicht möglich war)
  • transparente Verfahren
  • Wo gehen wir neue Wege?
  • öffentlicher Raum (Mariahilfer Straße, Schwedenplatz, Südtiroler Platz, etc.)
  • Leben in der Stadt vs. Leben am Stadtrand (höhere Dichte, Schaffung soziale Infrastruktur, Verkehrsberuhigung, etc.)
  • Klimaschutz als zentrale Perspektive der Stadtentwicklung (Smart City)
  • BürgerInnenbeteiligung (Nein, wir sind noch nicht bei Kokreation angekommen, aber wir sind viel weiter als vor 2010 – Nordbahnhof, Schwedenplatz, etc.) Mit dem beschlossenen Masterplan Partizipation haben wir klare Standards und Ansprüche für die BürgerInnenbeteiligung festgelegt.
  • Förderung von Baugruppen
  • neue Bildungsbauten (Campusschulen-Wettbewerbe mit großartigen Ergebnissen)

Welche Probleme haben andere Städte mit der UNESCO?

In zahlreichen Städten, deren Stadtkerne zum Teil unter dem Schutz des UNESCO-Weltkulturerbes stehen, gibt es in der jüngeren Vergangenheit Probleme. So entwickeln sich die enormen Tourismusströme in Florenz und Venedig zu einem Kritikpunkt seitens der UNESCO.

Liverpool hat derzeit ähnliche Schwierigkeiten beim Bau von Hochhäusern im Hafenbereich. Die Stadt argumentiert hier ähnlich wie Wien, dass Weltkulturerbe und Entwicklung von neuem in der Stadt nicht im Widerspruch zueinander stehen müssen. Auch hier geht es um die Auffassung, dass der Schutz des Bestehenden höchsten Stellenwert und Standards genießen muss, dass aber auch die Spielräume für die Entwicklung von Neuem wesentlich großzügiger als aktuell bewertet werden können und sollen. Wir wollen heute das Weltkulturerbe von morgen möglich machen und das erfordert Mut und gestalterische Freiheit.

Wie funktioniert die UNESCO genau?

Die UNESCO (Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur) ist für viele Bereiche zuständig. Einer davon ist die Verwaltung des Welterbes der Menschheit. Dafür ist das „World Heritage Committee“ verantwortlich, in dem mehrere Staaten vertreten sind: Angola, Aserbaidschan, Burkina Faso, Finnland, Indonesien, Jamaika, Kasachstan, Kroatien, Kuba, Kuwait, Libanon, Peru, Philippinen, Polen, Portugal, Simbabwe, Südkorea, Tansania, Tunesien, Türkei und Vietnam. Aktuell führt Polen den Vorsitz. Österreich ist nicht vertreten. Nur dieses Komitee, das einmal im Jahr zusammentrifft, fällt die Entscheidung, wer in die Liste der Welterbestätten aufgenommen wird, wer gestrichen wird und wer auf die Liste der gefährdeten Welterbestätten aufgenommen wird. Die Kommunikation mit der UNESCO läuft höchst formal ab, ein zielgerichteter Austausch ist nicht vorgesehen und auch kaum möglich.

Die UNESCO-Kommission Österreich fungiert als eine Schnittstellt zwischen der UNESCO in Paris und der österreichischen Bundesregierungen bzw. anderen staatlichen und nicht staatlichen Einrichtungen. Ihre Aufgabe ist im Wesentlichen die Beratung der entscheidenden Organe in Fragen der Umsetzung von UNESCO-Zielen in Österreich.

ICOMOS ist eine (Internationaler Rat für Denkmalpflege) ist eine internationale Nichtregierungsorganisation, die sowohl von UNESCO also auch durch die UNESCO-Kommission Österreich zur Beratung im Bereich der Denkmalpflege herangezogen wird.

Wie gestaltet sich die Kommunikation mit der UNESCO?

Es gibt einen laufenden, formalen Austausch zwischen Stadt Wien und UNESCO-Weltkulturerbebüro in Paris. Wien liefert jährlich Berichte ab und informiert über seine Vorhaben. So hat es in den vergangenen Jahren mehrere Missions gegeben, nicht zuletzt auf die Einladung von Wien selbst. Das galt und gilt auch für das Projekt Wiener Eislaufverein. ICOMOS, die Organisation, die die UNESCO in Fragen der Denkmalpflege berät, wurde bereits im kooperativen Planungsverfahren miteinbezogen. Die Gespräche sowohl mit der UNESCO-Kommission Österreich als auch mit ICOMOS liefen parallel zu den fortschreitenden Planungen – auch während und nach der Nachdenkpause. Bisher gelang es nicht, alle Wünsche und Vorstellungen miteinander zu verbinden, bzw. zu einer einheitlichen Auffassung zu gelangen.

Wie wurde die grüninterne Öffentlichkeit informiert?

Die Grünen im dritten Bezirk waren von Anfang an in das Projekt involviert. Bereits vor der Nachdenkpause im Sommer 2016 gab es intensive Gespräche mit beteiligten und interessierten Personen zu diesem Thema. Als sich eine Lösung in der Nachdenkpause abzeichnete wurde das Projekt der betroffenen Bezirksorganisation im dritten Bezirk umfassend vorgestellt und Anmerkungen eingeholt. Auf genau dieselbe Weise wurde die Bezirksorganisation im ersten Bezirk

über den Status Quo in Kenntnis gesetzt. Für weitere Bezirksorganisationen sowie alle Klubobleute hat es zusätzliche Informationsangebote gegeben.

Was bedeuten Masterplan Glacis und Hochhauskonzept wirklich?

Der Masterplan Glacis beschreibt zunächst generelle städtebauliche Zielsetzungen und in weiterer Folge Planungsziele für Ensembles und Zonen entlang der Glacis-Zone. Der Masterplan beschäftigt sich dabei mit Fragen des öffentlichen Raumes, von Verbindungen und Sichtbeziehungen, des Stadtbildes u.a.m. und definiert als grundsätzliches Ziel den Ausbau für Wien als Kultur-, Bildungs- und Wissenschaftsstandort. Zusätzliche Baulichkeiten sollen, wenn überhaupt, nur im Rahmen dieser thematischen Ausrichtung erfolgen. Im Masterplan werden dafür grundsätzlich mögliche Standorte definiert, ohne jedoch Aussagen über Größe, Höhe zu treffen. Behauptungen, diese Bereiche wären Hochhausstandorte sind daher nicht nur falsch, sondern bewusste Irreführung. Aus dem Masterplan kann dies weder explizit noch konkludent gelesen.

Wahr ist vielmehr, dass in der gesamten Inneren Stadt der Bebauungsplan, der die rechtliche Grundlage für Bauführungen darstellt, ausschließlich die Bauklassen 1-5 (maximale Gebäudehöhe 26m) vorsieht. Das bedeutet, dass in der ganzen Innenstadt, selbst dort, wo auf Basis früherer Bebauungspläne heute höhere Häuser stehen (z.B. Hochhaus in der Herrengasse, Ringturm, etc.), ist bei Abbruch dieser Gebäude ein neues Hochhaus, das über die bestehende Silhouette hinausragt, nicht möglich.

Um hier jedoch auch für die Zukunft unmissverständliche Klarheit zu schaffen, bereiten wir einen Beschluss des Wiener Gemeinderates vor, der Hochhausentwicklungen in der Inneren Stadt explizit ausschließen soll.

Weitere Unterlagen: tiny.cc/heumarkt