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am 30. März

Wann endlich wird die Pappenheimgasse weiblich?

Elisabeth Kittl - Vor etwa sieben Jahren stellten wir den Antrag zur Abänderung des Namensgebers der Pappenheimgasse General Gottfried Heinrich Graf von Pappenheim auf eine neue Namensgeberin, die Pädagogin und Frauenrechtlerin Bertha Pappenheim.

Nun steht die „Umbenennung“ der Straße wieder im Raum. Dieses Mal unterstützen wir einen Antrag auf Umbenennung auf Marie Pappenheim.

Warum ist uns eine Umbenennung wichtig?

Erstens, die derzeitige Benennung nach General Pappenheim ist antiquiert und abscheulich. Der General war ein Heerführer, der unter anderem einen Bauernaufstand in Oberösterreich niedergeschlagen hat und für das Niederbrennen, Niedermetzeln und Vergewaltigen von Magdeburg im 30-jährigen Krieg verantwortlich war. „Magdeburgisieren“ wurde in der damaligen Zeit in den deutschen Wortschatz aufgenommen und bedeutete die völlige Auslöschung einer Stadt und ihrer Bevölkerung. Nach so einem Menschen ist die Pappenheimstraße benannt. Eigentlich kaum vorstellbar.

Ein zweiter wichtiger Grund ist das Vergessen von verdienstvollen Frauen in der Geschichte. Das liegt unter anderem daran, dass sie im öffentlichen Raum nicht sichtbar sind, nicht sichtbar gemacht wurden und werden. Es ist ein ewiger Kreislauf: sprechen und schreiben wir nicht über Frauen, machen wir sie und ihre Verdienste nicht sichtbar. Sie werden vergessen. Damit wird das fadenscheinige Argument deren, die sagen: „Es gibt zu wenige bekannte Frauen“ gefüttert.

Marie Pappenheim hat auch Bezug zum 20. Bezirk: sie veröffentliche ein Buch[1] über die Zeit des Nationalsozialismus im Globus Verlag, der am Höchstädtplatz seinen Sitz hatte. Schon in den 1920ern war sie Mitgründerin der Sozialistischen Gesellschaft für Sexualberatung und Sexualforschung und von sechs kostenlosen Sexualberatungsstellen für Arbeiter*innen. Marie Pappenheim, Sozialistin, Schriftstellerin, Librettistin und Ärztin aber wird noch nirgends im öffentlichen Raum erwähnt. Das hätten wir mit den Stimmen der SPÖ schon lange ändern können.

Denn es haben sich zwei Frauen gefunden, nach denen die Pappenheimgasse benannte werden könnte: Marie oder Bertha Pappenheim. Zwei Frauen, die ihrer Zeit voraus waren, die demokratische Grundwerte und Gleichberechtigung hochgehalten und dafür gekämpft haben. Werte, denen sich auch die Sozialdemokratie verschworen hat. Die Aufrechterhaltung der Benennung nach einem Kriegsführer ist demokratiepolitisch und obendrein in einem Bezirk, der seit Jahrzehnten von der Sozialdemokratie geleitet wird, nicht nachvollziehbar. Und doch stimmte die SPÖ vor sieben Jahren gegen unseren Antrag zur Umbenennung der Gasse und verschob die Entscheidung für Marie Pappenheim auch in der letzten Sitzung der Bezirksvertretung in die Kulturkommission, anstatt sich sofort von einem brutalen Militär zu distanzieren und die Möglichkeit zu nutzen, den Teufelskreis des Vergessens von verdienstvollen Frauen zu durchbrechen.


[1] Der Graue Mann