Die Grünen Brigittenau

Sonntag, 21. März 2010

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Liebes Tagebuch...

25.11.2009 17:00

 

Liebes Tagebuch...

Politik ist lustig! Und oft verwirrend... oder auch "fragwürdig".
Frage an Radio Eriwan: Was macht eine Antwort zur Antwort? Wenn jemand was auf eine Frage erwidert: Ist das dann schon eine Antwort?

25.11.2009: Was macht eine Antwort zur Antwort?

Als Kind konnt ich mich zerkugeln über absurde Witze. Zum Beispiel: In der Straßenbahn. Fragt einer den anderen: "Wie spät ist es?" Der andere zieht eine Zündholzschachtel aus der Tasche, öffnet sie und sagt: "Mittwoch." Einer erschrickt: "Ui, da muss ich aussteigen!"
Tja, die beiden scheinen einander auf eine seltsame Art zu verstehen.

Sowas ist allerdings nicht immer lustig.
Warum mir das grad jetzt wieder einfällt? Warum mich das grad jetzt beschäftigt?
Es war einmal...
...ein Antrag: Wir stellten im Juni 2008 einen Antrag, dass "Glück"spiel­automaten-Lokale überprüft werden sollen. Es schlossen sich alle anderen Fraktionen unserer Meinung an und so kam es zum Beschluss.
Und im September 2009 - also mehr als ein Jahr später - hat mich das Resultat dieser Überprüfung interessiert: Wer hat was mit welchem Ergebnis überprüft und was sind die Konsequenzen daraus?
Und die Antwort lautet: "Ja, wir überprüfen eh."
Gilt das? Ist das eine Antwort?
Naja, es hat schon bissl was miteinander zu tun. So ähnlich wie die Frage nach der Uhrzeit und die Antwort Mittwoch...
Keine Details! Welches Jahr?!

Doch es kommt noch dicker! Was der Bezirksvorsteher von seiner Parteikollegin (!) in der Landesregierung nicht erfährt, erfährt ein Journalist durch einen Anruf bei der zuständigen Magistratsabteilung. So ist das, was der Bezirksvertretung verwehrt blieb, jetzt im Falter 48/09 (25. November 2009) /Stadtleben Seite 40 nach zu lesen.

Die Frage und die unterschiedlichen Antworten (an die Bezirksvertretung und an den "Falter").




2.9.2009: Gut Ding braucht Weile

Es begann schon im Frühling 2007.
Da konnte ich der damaligen Vorsitzenden des Kulturausschusses eine Idee nahe bringen: Die Geschichte von Brigittenauerinnen soll durch eine Expertin recherchiert werden. Und die Ergebnisse sollen im Rahmen von "Frauenspaziergängen" an Interessierte weiter gegeben werden.

Warum ist das so wichtig?
Mindestens die Hälfte der Menschheitsgeschichte ist weiblich. Nur: Woran merkt "man" das?! Wie weiblich ist DIE Brigittenau?
Ein Beispiel: Seit der Gründung des 20sten Bezirks wurde genau 1 (ein!) Platz nach einer Frau benannt. Also ich glaub, da gibt's Handlungsbedarf!



Die Idee kam gut an!
Yippie! Machma! Von mir aus kann's los gehen! *Freudentanz*

Aber doch ned so schnell!
Das war ja "nur" das Samenkörnchen. Und dann dauert's halt bis zur Ernte...
Da kamen noch einige Benennungen nach Männern dazwischen.
Ich red mir ein, dass ich noch jung bin und zu, dass ich geduldig sein soll.

Es folgten viele viele Mails, Überlegungen, erste Umsetzungsschritte.

  1. Die Kosten! Zu teuer. Bitte bitte nicht jetzt schon scheitern! Wir teilen die Kosten (ca. ein Zwölftel des Kultur-Jahresbudgets) auf 2 Jahre auf. *uff*
  2. Die Präsentation. 10. Jänner 2008: Sitzung des Kulturausschusses. Petra Unger, Kulturvermittlerin, Expertin für Gender Studies und Feministische Forschung und Autorin, stellt das Projekt "Frauen im Bezirk" vor. Genehmigt! Erster Teilbetrag budgetiert. Ha!
  3. Die Finanzierung. 15. Jänner 2009: Sitzung des Kulturausschusses. Genehmigung des zweiten und letzten Teilbetrages. Yeah!
  4. Der Termin. Mehrere Ankündigungen wurden bereits geflüstert. Schlussendlich: 2. September 2009: Erster Frauenspaziergang! Jö!
    Allerdings können maximal 25 Menschen teilnehmen. Also nicht einmal die Hälfte der Brigittenauer BezirksrätInnen!
  5. Die Enttäuschung: Dieser erste Termin soll gleichzeitig vorerst auch der Letzte bleiben. Denn die Spaziergänge sind zu teuer! Werden also die Recherche-Ergebnisse abgelegt um vor sich hin zu stauben?!
    Jetzt werde ich Ohrenzeugin von Überlegungen, die zu peinlich sind, um sie aufzuschreiben...
  6. Die Lösung. Ich werde einspringen, die Finanzierung übernehmen und zu Rundgängen zur Geschichte der Frauen des Bezirks einladen!






18.5.2007: Silberne Tennisschuh und wer sowas trägt

Um 7:00 Uhr aufstehen, duschen, anziehen, ab ins Rathaus.

Vor dem Rathaus seh´ ich schon Bösi. Jööö, ich werd also bei meiner Angelobung auch Gesellschaft der Grünen Brigittenau haben!
Meine Vorgängerin Helga kommt bald danach. Sie hat mir sogar Blumen mitgebracht. Faire Blumen ;o)

Wir fahren mit dem Pater Noster in den Halbstock und suchen das Büro Wehsely.
Erinnerung an meine Studienanfangszeit. Da hab ich im NIG-Erdgeschoss ein Schild gelesen: "Mensa im 6. Stock". Und ich wollt mit dem Pater Noster in den 6. Stock fahren. Geht aber nicht. Nur bis zum 5. Stock. Weil ich das nicht gwusst hab: Eine Runde oben drüber und auf der anderen Seite wieder runter. Konnt dann so wieder im 5. Stock angelangt nur schwer aussteigen, weil ja alle zum Runterfahren einsteigen wollten. Wer rechnet schon damit, dass da wer oben drüber fährt!

Helga und ich vorm Pater Noster

Am Gang sehen wir schon andere "Verdächtige", denen wir folgen und dann gemeinsam in einem Vorzimmer warten. Es werden die Namen der Anzugelobenden verlesen, die daraufhin ihre Anwesenheit bekunden. Da fällt mir der Name einer Kollegin auf: Von ihr erhalte ich seit vielen Jahren kulturelle Info-E-Mails, kenn aber nicht sie, sondern nur ihren Namen. Ich sprech sie drauf an. Sie wird Grüne Bezirksrätin in der grün regierten Josefstadt. Ganz andere Situtation als in der absolut SP-regierten Brigittenau.

Die Angelobung führt SPÖ-Stadträtin Sandra Frauenberger (Geschäftsgruppe Integration, Frauenfragen, KonsumentInnen­schutz und Personal, wie ich anschließend ergoogle) durch. Zuerst bin ich erstaunt, weil am Telefon die Rede von SPÖ-Stadträtin Mag.a Sonja Wehsely war. Aber noch viel erstaunter bin ich über´s Schuhwerk: Silberne Tennisschuh. Jaaa, ich hab sowas schon in Auslagen gesehen. Aber an Füßen? Noch dazu an hochrangigen! Nicht, dass ich das dem Anlass entsprechend unpassend find, auch bin ich keine Schuhfetischistin, aber es ist das Erste, was mir auffällt. Ich glaub ich kenn niemanden, in dessen Besitz sich silberne Tennisschuh befinden.

Die Zeremonie ist kurz und schmerzlos. Es wird eine Angelobungsformel vorgelesen und Frau Frauenberger geht die Reihe durch und schüttelt jeder/m die Hand. Originellerweis wünsch ich ihr alles Gute. Keine Ahnung warum. Is mir passiert.

Dann unterschreib ich, Fotos werden gemacht und Helga und ich gehen ins Eiles frühstücken samt weiterer Übergabe-Besprechung.




16.5.2007: Meine 1. Bezirksvertretungssitzung

Anders als in den Kommissionen und Ausschüssen gibt es in der Bezirksvertretungssitzung eine feste Sitzordnung:
Ganz vorne am Podium sitzen der Bezirksvorsteher und seine Stellvertreter (3 Männer: 2x SPÖ, 1x FPÖ).
Dann gibt es 3 "Spalten" (links und rechts zu je 3 Sitzen und in der Mitte 4 Sitze) zu je 5 Reihen.
Auf der einen Seite sitzen ganz vorne die MandatarInnen der FPÖ, dahinter die der ÖVP. Der Rest gehört bis auf die 2 letzten 3er-Reihen (dort sitzen wir 6 Grüne) der SPÖ.
Ich krieg den Platz ganz hinten bei der Tür. Rechts von mir die Wand, links von mir Michael, vor mir Charly.

Sitzordnung Bezirksvertretung Brigittenau


Kurz zu den Erfolgsmeldungen:

Dann wird viel abgestimmt. So schnell, dass ich nicht mitkomm und einmal gar nicht zum Aufzeigen komm. Der Bezirksvorsteher stellt trotzdem (hellseherisch?) die Einstimmigkeit fest. Allerdings: Bei uns gibt’s – im Unterschied zu den anderen Fraktionen – keinen Klubzwang. Das heißt, nur weil Grüne aufzeigen, bedeutet das noch lang nicht, dass ALLE Grünen aufzeigen. Das erfordert höhere Aufmerksamkeit und man sollt schon bissl genauer hinschaun.

Zu den Anträgen und Anfragen.

Mein Highlight ist die Wortmeldung von SPÖ-Bezirksrat Pirker zu unserem Regenbogenfahne-Antrag (Wir wünschen uns eine Beflaggung des Amtshauses am Wochenende der Regenbogenparade als Bekenntnis zur Vielfalt gesellschaftlicher Lebensformen). Er meint dazu wörtlich: "Antrag nein, Beflaggung ja." Da muss ich lachen. Wie geht das? Sie finden den Antrag nicht unterstützenswert und stimmen dagegen, erfüllen aber den Antragsinhalt!? Warum? Um Macht zu zeigen? Um sich beleidigt zu zeigen, dass wir es gewagt haben, deshalb einen Antrag zu stellen? Ich versteh’s nicht und bin gespannt, ob Wort gehalten und am Tag der Regenbogenparade das Amtshaus mit einer Regenbogenfahne geschmückt wird.

Mein 1. Antrag: Faire Blumen:

Im Namen der Bezirksvertretung bzw. des Bezirksvorstehers gekaufte Blumen sollen fair produziert worden sein.

Maria meinte, der Antrag gehört referiert. Ob ich das machen will? Eher nein. Ist ja meine 1. Sitzung. Muss nicht sein.
Ich halt ihn für wenig kontroversiell, es soll auch nur von meinem Platz aus und nicht vorne vom RednerInnenpult aus geschehen... ok, ich trau mich.

Was könnte gegen den Antrag sprechen? Das hab ich mir vorher schon auch überlegt. Das einzige, was mir dazu eingefallen ist: "Wir lehnen ab, weil: Machma eh schon." Wär für mich zwar kein schlüssiges Argument, aber denkbar. Und dass es darüber eine Diskussion gibt, hätt ich auch nicht erwartet. Tatsächlich meldet sich FPÖ-Bezirksrat Gabrielidis zu Wort. Er meint, es handelt sich dabei um eine Unterstellung, ich solle mir überlegen, ihn zurückzuziehen. Unterstellung? Welche Unterstellung? "Der Herr Bezirksvorsteher wird ersucht…", beginnt so eine Unterstellung?

Der Bezirksvorsteher wendet ein, dass es sich dabei um sein Verfügungsbudget handelt und ihm da keiner dreinreden kann.
Und ich hab gedacht... Steuergeld... und zwar unser aller... Verantwortung... Bewusstsein...

Der Antrag wird nur von den Grünen unterstützt, also abgelehnt.

Ich muss noch viel lernen.




16.5.2007: Mein 1. kleiner Erfolg

Kurz vor der Sitzung der Zivil- und Katastrophenschutzkommission erfahr ich, dass der Bezirksvorsteher nochmals auf mein Anliegen (Vorstellungsrunde in der Sitzung) angesprochen wurde und darauf geantwortet hat, dass das jetzt bissl spät kommt. Hab ich doch gestern auch selbst… Naja, egal.
Sein zweiter Einwand: Keine Zeit. In 15 Minuten…

Die Sitzung findet in einem kleinen Nebensaal im Amtshaus statt, in dem Zettel aufliegen, durch die sich einige meiner Fragen klären: Darauf stehen Namen und Fraktionszugehörigkeit der 10 ordentlichen Mitglieder (nur 2 Frauen außer mir, also 70% Männer) und 10 Ersatzmitglieder (80% Männer). 3 davon sind fett gedruckt: Die Kandidaten für Vorsitzenden und seine beiden Stellvertreter (nur Männer).
Oder sind es doch nicht die Kandidaten? Es steht nämlich nix von Kandidatur, sondern: Vorsitzender, 1. Vorsitzender-StV und 2. Vorsitzender-StV. Ist schon alles fix VOR der Wahl?!
Nicht gleich ungerecht sein. Vielleicht sind das sowohl die alten als auch die neuen Vorsitzenden. Doch: Es handelt sich um eine konstituierende Sitzung! Also alles neu, oder? Obwohl doch die letzte Wien-Wahl 2005 (!) stattgefunden hat. Seitdem also nix passiert.
Egal, es ist ohnehin auch so fix: Es gibt ein Vorschlagsrecht der stärksten Parteien in der Brigittenau (SPÖ und FPÖ), es gibt Usancen und es gibt eine absolute Mehrheit der SPÖ. Also was soll’s.

Aber jetzt kommt’s: Es gibt eine Vorstellungsrunde! Naja, nur sehr kurz. Und nur von den "Kandidaten" (nur Männer). Aber immerhin! Selbst wenn mein diesbezügliches Anliegen nicht verstanden worden wäre, es wurde anerkannt.




16.5.2007: Meine 1. Sprechstunde

Leider werden BezirksrätInnen-Sprechstunden von den BrigittenauerInnen fast nicht genutzt. Wie wird's mir gehen, wird wer kommen?

Wie ich um 14:00 Uhr in unser Bezirkslokal in der Hannovergasse komm, ist schon wer da: Franz sitzt vor einem Berg von Zettel, Broschüren, Unterlagen und arbeitet.

Der erste "Besuch" ist von Handwerkern, die nach einem Wasserschaden fragen. Bei uns ist glücklicherweise alles in Ordnung.

Nach einem kurzen Gespräch mit einem Passanten bereite ich die Unterlagen für die heutige Bezirksvertretungssitzung vor: Kopier die Anträge und Zusatzinfos.

Insgesamt bin ich zwar länger im Lokal als meine Sprechstunde dauert, aber wegen mangelnden Besuchs hab ich die Zeit halt anders genützt.




15.5.2007: Angelobungsanruf

Zu Mittag ein Anruf aus dem Amtshaus: Meine Angelobung findet am Freitag, dem 18. Mai, um 8:30 im Rathaus, Büro Wehsely, statt.
O.k. Aber … morgen hab ich bereits meine erste Bezirksvertretungssitzung. Macht das nix, dass ich nicht angelobt bin? Das ist kein Problem, hör ich, das Berufungsschreiben hab ich ja bereits. Und das reicht.
O.k.
In Anbetracht dessen, dass Helga schon vor Langem bekannt gegeben hat, als Bezirksrätin aufzuhören, kommt jetzt alles bissl ganz gschwind, spontan, kurzfristig, als wär die Verwaltung etwas überrumpelt.
Wenn das alles so passt, soll’s mir recht sein. Obwohl ... ich hab noch nichts unterschrieben, nicht auf die Verfassung geschworen oder ähnliches ... die Schalkin in mir meldet sich ...




15.5.2007: Verantwortung, wenig Info, wenig Zeit

"Einladung zu der am Mittwoch, den 16. Mai um 17:45 Uhr stattfindenden gemeinsamen konstituierenden Sitzung der Zivil- und Katastrophenschutzkommission des 20. Bezirks.

Tagesordnung:

  1. Konstituierung
  2. Wahl der/des Vorsitzenden und der Stellvertreter"

Um 18:00 findet doch die Bezirksvertretungssitzung statt! Also nur 15 Minuten Zeit für die Zivil- und Katastropenschutzkommission?! Bedenken.

  • Heißt das, dass ich als Hauptmitglied der Grünen Alternative Brigittenau - obwohl noch nicht angelobt – wählen soll/darf?
  • Wie viele Mitglieder hat diese Kommission?
  • Wer ist von welcher Fraktion?
  • Wer bewirbt sich für den Vorsitz?

Im Internet find ich dazu nichts. Natürlich auch nicht im Organisationshandbuch.

Ich kenne niemanden und mich ned aus; aber wählen!?

Da am Vortag "word up", das Jugendparlament, im Amthaus zu Gast ist und ich mir die Wünsche der Jugendlichen ohnedies anhören will, bitte ich bei der Gelegenheit den Bezirksvorsteher, ob in der Sitzung vor der Wahl die Möglichkeit für eine kurze Vorstellungsrunde besteht, da mir die Mitglieder und KandidatInnen für den Vorsitz der Zivil- und Katastrophenschutzkommission unbekannt sind und ich wählen soll. Er entgegnet, dass ich ja in der Bezirksvertretung auch niemanden kenne. Ich bin baff: Aber in der Bezirksvertretung soll ich niemanden wählen!
Ich hab das Gefühl, er versteht mein Anliegen nicht.




10.5.2007: Verwunderungen

Donnerstag, 10. Mai 2007, 17:00 Uhr: Meine 1. Sitzung im Amthaus: Bezirksentwicklungs- und Verkehrskommission gemeinsam.
Ich bin zwar in beiden Kommissionen nicht Mitglied, aber als Bezirksrätin darf ich hingehen, zuhören. Und das tu ich. Mitstimmen dürft ich nicht. Aber es gibt auch nichts abzustimmen, sondern ausschließlich Berichte.

Vor der Sitzung gebe ich im Sekretariat den ausgefüllten Fragebogen, die Fotos für meinen Bezirksrätin-Ausweis, meine Lebensläufe ab und meine Sprechstunde bekannt.
Die freundliche Sekretärin fragt mich, ob ich das haben will und zeigt mir eine CD: "Organisationshandbuch der Dezentralisierung" von der Stadt Wien. Gerne!

Händeschütteln mit großteils Unbekannten. Kaum jemand nennt mir seinen Namen. Aufs Händeschütteln wird Wert gelegt. Inhaltsloses Ritual? Interesse am Gegenüber spür ich nicht im Mindesten. Aber DAS wundert mich nicht.

Im Sitzungssaal sind auf einem Tisch beim Eingang Getränke und – danke – große (!) Gläser vorbereitet. Nicht diese kleinen Dinger, in denen nicht viel mehr als 3 Schluck Wasser Platz haben. Wird hier mehr gesprochen als in den Bezirksvertretungssitzungen, trockenere Kehlen?

Aber jetzt zu meinen Verwunderungen:

  • Es sind auch Aschenbecher vorbereitet.
  • Es wird mitgeschnitten! Fällt mir auf, als eine Dame die Kassette oder das sonstige Medium tauscht.
  • Auf den Bänken liegen die Programme der Bezirksfestwochen auf; die Rückseite "geziert" durch Werbung für "Admiral Sportwetten". Als bräuchte es keine Distanzierung gegenüber dem Unwesen beim "kleinen Glückspiel", weil dort eh alles superst in Ordnung ist, es eh nur um "Vergnügen" ginge (wie drauf suggeriert).
    Naja, wenn man Geld (für den Programmheftdruck) braucht, spielt wohl die Überlegung, woher es kommt, nur eine untergeordnete Rolle. Haltung muss man sich auch leisten können?!
  • Gender Mainstreaming. Aber das ist mir ein Kapitel wert:

Was genau ist Gender Mainstreaming?

Berichte. Ich höre. Und staune. Zum Beispiel ist in der Präsentation des groben Leitbildes für die Neunutzung des Nordwestbahnhof-Areals unter der Überschrift "Gender Mainstreaming" als Maßnahme "Niveauabsenkung" angeführt. Inwiefern besteht da ein Zusammenhang? Wahrscheinlich ist gemeint, dass Übergänge zwischen Trottoirs und Straßen sich nicht durch eine hohe Stufe auszeichnen, sondern abgeschrägt sind. Eine – für mich selbstverständliche - Erleichterung für Menschen im Rollstuhl, mit Mobiliätseinschränkungen, mit Kinder- und Einkaufswagen etc. Aber der Zusammenhang mit dem "sozialen Geschlecht" bleibt mir verborgen. Riecht bissl nach Etikettenschwindel: So kann man vorweisen, dass an Gender Mainstreaming gedacht und es wenigstens als Begriff im Konzept untergebracht wurde.

Ich hab das Gfühl, dass Nachfragen sinnlos ist. Gender Mainstreaming wird offensichtlich unterschiedlich verstanden bzw. interpretiert und eine Grundsatzdiskussion ist hier weder gewünscht noch zielführend und ich muss mich ja nicht gleich total unbeliebt machen.

Kurz zum Schmunzeln bringt mich die Formulierung "umliegende BewohnerInnen". Sind wohl AnrainerInnen gemeint.

Daheim seh ich mir die Organisations­handbuch-­CD an. Wow! 1.189 Seiten. Allein das Inhaltsverzeichnis lässt mich taumeln.

Da stoß ich doch glatt wieder auf Gender Mainstreaming und kann nachlesen, was nun genau die Stadt Wien drunter versteht. Inwiefern durch eine "Niveauabsenkung" (Zitat Anfang) "soziale Unterschiede und strukturelle Ungleichheiten für Frauen und Männer hinterfragt, sichtbar gemacht und ihre Ursachen beseitigt werden" (Zitat Ende), is mir trotzdem nicht ganz klar.




2.5.2007: Mein 1. Bezirksrätin-Brief

Heute war’s soweit: Im Postkastl der erste Brief an mich mit der Anrede: "Frau Bezirksrätin Ruth Dögl".
Fremdelt noch bissl.
Naja, ich bin noch nicht angelobt. Darf mich also noch seltsam dabei fühlen, noch eine kleine Frist, mich dran zu gewöhnen.

Ich kann mich erinnern, wie vor 1 ½ Jahren Petra erzählt hat, ihren ersten Bezirksrätin-Brief erhalten zu haben und dass es sich damals für sie seltsam angefühlt hat. Jetzt geht’s mir so.

Der Brief ist die Einladung zur gemeinsamen Sitzung der Bezirksentwicklungs- und Verkehrskommission. Ich bin zwar in beiden Gremien nicht offizielles Mitglied, kann aber (als Bezirkrätin) teilnehmen, sogar mitreden, nur nicht mitstimmen. Und werd das auch tun. Ich bin nicht nur neu, sondern auch neugierig ;o)
Außerdem ist die Tagesordnung viel versprechend:
Es geht um die Präsentation des groben Leitbildes für die Neunutzung des Nordwestbahnhof-Areals. Und da hab ich ja irgendwie mitgewirkt, weil ich am diesbezüglichen BürgerInnenbeteiligungsverfahren teilgenommen hab, das seit Ende letzten Jahres läuft.

Zweiter Tagesordnungspunkt: Radfahren gegen die Einbahn. Auch das ist ein Thema für mich, weil ich (unter anderem) RadfahrerIn bin und während meiner Zeit an der Uni bei ARGUS, der Arbeitsgemeinschaft umweltfreundlicher Stadtverkehr, gearbeitet hab.

Dann gibt es noch "Leitbildentwicklung Augarten". Ich liebe den Augarten! Auch wenn er nicht in der Brigittenau liegt. Das ist mir auch noch nicht so lang bewusst. Wie ich im Gymnasium war und im Sommer meine Turnstunden im Augarten verbracht hab, war mir nicht klar, dabei eine Bezirksgrenze überschritten zu haben. Aus der Schule in der Unterbergergasse raus, über die Wasnergasse und schon war ich im Augarten.

Ist es Zufall, dass ich zu allen Tagesordnungspunkten einen persönlichen Bezug hab oder bleibt es weiter so spannend für mich?




1.5.2007: Ab heute ist es soweit

Tja, ich bin Bezirksrätin.

Und jetzt kann ich's ja sagen: Ich werde Hauptmitglied sein

  • im Bauausschuss (der nahezu monatlich tagt) und
  • in der Zivil- und Katastrophenschutzkommission (die einer Belebung bedarf).

Und Ersatzmitglied in der

  • Kommission für Soziales, Jugend, SeniorInnen, Frauen und Integration (zwar viele Themen, aber sie tritt eher selten zusammen) und in der
  • Kulturkommission (wo ich auch schon einige Ideen hätte).






27.4.2007: Ich mag nicht in den Fotoautomaten!

Wer lässt sich gern fotografieren? Ich nicht.

Außerdem hab ich ja Fotos von mir. Nette sogar. Allerdings digital. Hab schon die letzten Tage überlegt, wie ich halbwegs unaufwändig und möglichst billig zu BezirkrätInnenausweis-Fotos kommen könnt.

Bei den Grünen Leopoldstadt gibt es einen hilfsbereiten und technisch passend ausgerüsteten Kollegen, der meine Digitalen auf Fotopapier ausdrucken kann.

Ich mail ihm meine beiden Favoriten zur Auswahl. Ui ui. Bei meinem Lieblings bezweifelt er die Tauglichkeit. Es sind zwar keine Passfotos für den Ausweis nachgefragt (für die gelten ja ganz spezielle Vorgaben), aber es sollten doch einige Regeln eingehalten werden: Ich sollt vielleicht meinen Kopf nicht in meiner Hand abstützen, nicht so sehr grinsen, und überhaupt.

Jaaa, ich weiß eh: Bei Passfotos muss der Kopf gerade sein, Blick direkt in die Kamera, beide Ohren sichtbar, aber keine Zähne, Abstand der Augen, Kopfgröße, …

Er hat eine neue Kamera, die er testen mag. So vereinbaren wir einen Deal: Ich steh ihm für Kameraprobeshooting zur Verfügung und er macht aus meinen Digitalen "richtige" Fotos (Ausschnitt, Format). Und vielleicht fällt beim Kameratest ja auch als Nebenprodukt ein passendes Foto von mir ab.

Wir verabreden uns im Augarten, so Schönwetter. Passt!
Ich liebe den Augarten und geldlosen Tauschhandel!




19.4.2007: Es wird ernst...

Heute hat mir Maria ein Kuvert überreicht; was zum Ausfüllen: "Funktionärskataster". Wow! Klingt komplizierter als es ist. Name, Geschlecht, Sozialversicherungsnummer, Geburtsort, Kontoverbindung, etc. werden abgefragt. Das schaff ich.
Kontoverbindung, weil ich als Bezirksrätin Geld bekomm. Ich weiß nicht genau wie viel (weil ich das mäßig spannend find), aber so ungefähr € 370.- im Monat. Davon liefer ich – wie auch alle anderen im Klub – die Hälfte an die Grünen Brigittenau ab.

Durch diesen Bezug bin ich auch krankenversichert. Was für mich persönlich eher ein Nachteil ist, weil ich damit die Krankenkasse wechsle; zur BVA, bei der ich einen Selbstbehalt bezahlen muss. Von einem Kollegen wurde ich gewarnt, dass das mitunter ganz schön ins Geld gehen kann, zum Beispiel bei einem Zahnarztbesuch.

Wie wär’s eigentlich mit "FunktionärInnenkataster"? Ich find, es wird Zeit, dass amtliche Formulare gegendert werden.

In dem Kuvert versteckt sich allerdings noch mehr: Ein to-do-Zettel. Ich muss 2 Fotos bringen, meine Sprechstunden bekannt geben und 2 Lebensläufe schreiben: "1 privat, 1 politisch". Das klingt schon schwieriger. Hab noch nie einen politischen Lebenslauf geschrieben.

Naja, ich fang mal an...




18.4.2007: Helgas letzte Sprechstunde

Heute Vormittag hielt Helga ihre letzte Sprechstunde als Bezirksrätin im Bezirkslokal in der Hannovergasse. In großer Gesellschaft: Freunde, Bekannte, WegbegleiterInnen, die sich auf der einen Seite mit ihr über das Mehr an Freizeit freuen, das sie genießen will, aber auch bedauern, dass sie als Bezirksrätin ausscheidet. Wir hoffen ganz fest, sie bleibt uns als fachkundige und engagierte grüne Frau in der Brigittenau erhalten. So haben wir mit ihr gegessen, getrunken, geplaudert, uns bedankt und auf die angestoßen.

Tja, und nun sollt ich mich entscheiden, wann meine monatliche Sprechstunde als ihre Nachfolgerin sein soll...




13.4.2007: Seminar Stadtentwicklung

Es gibt einen Bauausschuss in der Brigittenau, Helgas Domäne. Und bald werde ich statt ihr drin sitzen, als einziges stimmberechtigtes Mitglied der Grünen Brigittenau. Große Herausforderung für mich. Aber ich hab mich entschlossen, sie anzunehmen. Und Helga freut sich drüber, weil sie hofft, dass der Ausschuss weiter in guten Händen bleibt.

Schon länger bin ich diesbezüglich auf Bildungstour. Es geht hauptsächlich um den §69 der Wiener Bauordnung: "Unwesentliche Abweichungen von Bebauungsvorschriften". Wobei diese Abweichungen zwar "unwesentlich" genannt werden, das aber in der üblichen Bedeutung von "unwesentlich" nicht sein müssen, die können sich (versteckt) ganz schön auswachsen.

Dieses Wochenende verbring ich wieder weiterbildungsmäßig. Diesmal mit anderen Grünen bei einem Seminar zum Thema Stadtentwicklung. 1. Teil: "Aktuelle Trends der Stadtentwicklung: Die Praxis der Wiener Stadtplanung". Wow, da geht's zu: zumindest hinterfragenswerte Verwicklungen von Bau, Medien, Finanzen. Höchst interessant! Was es alles zu wissen und zu beachten gibt!


23.3.2007: Meine 1. Klubklausur

Noch gehör ich ja nicht wirklich zum Klub der Grünen BezirksrätInnen in der Brigittenau. Trotzdem war ich heute dabei.

Helga hat sich ihren Geburtsmonat als ihren letzten als Bezirksrätin gewählt und wechselt nun in den wohlverdienten "ruhigeren" Stand. Ich werde statt ihr in die Bezirksvertretung einziehen.

Tja, wie hat das begonnen? Was bedeutet das alles?

Im November 2004 hab ich zum ersten Mal im Bezirkslokal der Grünen Brigittenau in der Hannovergasse 13 vorbeigeschaut. Lisa hat mich animiert. Und mich hat's interessiert. Und zwar so sehr, dass ich geblieben bin.

Sooo viele spannende Themen, sooo interessante Menschen, sooo tolle Weiterbildungsangebote, ... einfach sooo...

Inzwischen hab ich sehr viel gelernt und kennen gelernt: Noch mehr interessante Menschen, viel Inhaltliches, Methodisches, Strategisches, Struktur und Historie der Grünen, Erfahrungen bei Infostandln auf der Straße gesammelt, viele Gespräche geführt, ...

2005 wurde ich gefragt, ob ich nicht kandidieren will. Ich war überrascht. Und natürlich geschmeichelt. Und noch ziemlich ahnungslos, was das bedeutet.

Ich habe kandidiert, wurde auf einen aussichtsreichen Platz gewählt und nun ist es soweit.

Ja, meine erste Klubklausur. Es galt vieles zu besprechen. Wer übernimmt welche Themenbereiche, Ausschüsse und Kommissionen? Wie gehen wir weiter vor? Welche Ziele setzen wir uns, wie wollen wir sie erreichen?

Ich mag ja noch nicht zu viel verraten. Aber es wird sicher sehr, sehr ... sooo ...



Sitzordnung in der Bezirksvertretung Brigittenau
 

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